Selbstbewusst ohne Statussymbole: Wie Sie wirklich Ihr Selbstwertgefühl stärken

30 Nov 2021
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Oft machen wir unsere Selbstliebe davon abhängig, wie sehr wie von anderen Personen gemocht werden, oder binden unseren Selbstwert an Statussymbole. Das macht uns dauerhaft allerdings weder glücklich noch erfolgreich. In diesem Artikel erfahren Sie deshalb, wie Sie Ihr Selbstwertgefühl nachhaltig stärken.

  • Ein starkes Selbstwertgefühl macht unsere Psyche widerstandsfähiger und bringt uns in Einklang mit uns selbst.
  • „Die sechs Säulen des Selbstwertgefühls“ von Psychotherapeut Nathaniel Branden können eine gute Orientierung sein.
  • Aus ihnen lassen sich praktische Handlungsvorschläge ableiten: Ziele setzen, Nein sagen, den inneren Kritiker zum Schweigen bringen.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Status und persönliche Erfolge einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Der damit verbundene Druck kann aus gesellschaftlichen Erwartungen ebenso herrühren wie aus dem eigenen Anspruchsdenken, stets Höchstleistungen vollbringen zu müssen. Gelingt dies nicht oder nach dem eigenen Empfinden nicht ausreichend, kann dies am Selbstwertgefühl des Betroffenen nagen. Liegen ohnehin Probleme mit dem Selbstwertgefühl und dem Thema Selbstliebe vor, kann dies bis hin zu Selbstzweifeln und depressiven Schüben führen. Daher gibt es spezielle Übungen in der Psychotherapie, um den Selbstwert zu steigern.

Das Selbstwertgefühl hängt stark mit der empfundenen Selbstliebe zusammen. Beeinflusst wird der Selbstwert von extrinsischen Aspekten wie Erfolg, gesellschaftlichem Status oder Titeln, Ansehen, Beliebtheit und materiellen Besitztümern, welche unseren Erfolg für Andere sichtbar widerspiegeln. Diese Faktoren können dauerhafter Natur sein, z.B. erreichte Titel oder berufliche Meilensteine auf der Karriereleiter, aber auch temporäre Erfolgserlebnisse wie ein Wettbewerbssieg oder die Anerkennung für besondere Leistungen.

Sind wir mit uns sowie unserem Leben zufrieden und glücklich, stärkt dies unser Selbstwertgefühl und wir strahlen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit aus. Auch unsere Resilienz ist bei Belastungen im Alltag und in akuten Stresssituationen deutlich höher als bei Menschen, die zu Selbstzweifeln neigen. Da jedoch in unserer Leistungsgesellschaft stets der Vergleich und „Wettbewerb“ mit Anderen eine Rolle spielt, können sich selbst bei erfolgreichen Menschen Selbstzweifel einstellen, wenn sich das Selbstwertgefühl nur in äußeren Aspekten manifestiert, ohne im persönlichen Empfinden verwurzelt zu sein.

Selbstliebe sollte nicht von beruflichen Erfolgen abhängen.
Oft beziehen wir unser Selbstbewusstsein auch aus beruflichen Erfolgen. Diese halten aber nicht an.

Wie Sie sich selbst weniger unter Druck zu setzen lernen, lesen Sie hier: Gelassenheit statt Perfektion!

Wie sechs Säulen Ihr Selbstwertgefühl stärken können

Das Prinzip der „6 Säulen des Selbstwertgefühls“ basiert auf der Arbeit des amerikanischen Psychotherapeuten Nathaniel Branden. Er legt mit den sechs Einzelelementen ein Konzept dar, das den Selbstwert stärkt und Übungen zu dessen Förderung bietet. Diese kommen mitunter im Rahmen einer Psychotherapie zum Einsatz. Folgende Säulen werden beschrieben:

  • Bewusstes Leben
  • Selbstannahme
  • Selbstverantwortung
  • Selbstsicheres Behaupten der eigenen Person
  • Zielgerichtetes Leben
  • Persönliche Integrität

Das Ziel der Arbeit mit den sechs Säulen ist es, Kompensationsmechanismen zu durchschauen und sie durch echtes Selbstwertgefühl zu ersetzen. So kann Selbstwirksamkeit erlernt werden, die ohne äußere Einflüsse (z.B. Anerkennung von anderen Menschen, sichtbare Statussymbole und große Erfolge) die Selbstliebe und das Selbstbewusstsein stärkt.

Bewusstes Leben


Eine gesunde Distanz hilft uns dabei, Dinge weniger persönlich zu nehmen und unser Selbstwertgefühl zu stärken.

Bewusstes Leben und Achtsamkeit helfen, Distanz zu negativen Gedanken aufzubauen. Kritik wird mit einem schwachen Selbstwertgefühl besonders stark empfunden, während positive Rückmeldungen nicht bis zum Inneren vordringen. Wenn wir uns hingegen immer wieder bewusst machen, was wir in diesem einen Moment denken, welche Emotionen wir jetzt gerade fühlen und was konkret um uns herum passiert, dann lernen wir, zwischen Fakten, deren Interpretation und unseren Gefühlen zu unterscheiden. Das wiederum erleichtert uns bewusste Entscheidungen zu treffen und im Einklang mit unseren Erkenntnissen zu handeln.

Die Selbstannahme ist ein Teil der Selbstliebe, die wir empfinden, wenn wir uns mit all unseren Stärken und Schwächen akzeptieren. Kein Mensch ist perfekt, und dennoch neigen wir dazu, mit uns selbst strenger und kritischer zu sein als mit jedem anderen Menschen. Akzeptanz und Selbstannahme bedeuten daher, die eigenen Schwächen ebenso bewusst wahrzunehmen wie die Stärken. Dabei können Schwächen durch neue Blickwinkel und ihren gezielten Einsatz im passenden Bereich bei bewusster Selbstannahme zu Stärken werden, z.B. eine hohe Empfindsamkeit zu Einfühlungsvermögen.

Selbstannahme


Sich selbst nehmen wie man ist, das ist Selbstliebe.

Selbstverantwortung


Mit Übungen aus der Psychotherapie können Sie Ihren Selbstwert stärken.

Selbstverantwortliches Leben bedeutet für das Selbstwertgefühl, die eigene Verantwortung für das Glück in den Mittelpunkt zu stellen, statt sich von Anerkennung und den Handlungen anderer abhängig zu machen. Statt Selbstmitleid wird Selbstreflexion praktiziert, die eigene Handlungs- und Denkweise hinterfragt und so neue Lösungen für deren Verbesserung gefunden.

Die Selbstbehauptung ist ein Kernstück in der Entwicklung und Förderung des Selbstbewusstseins. Es umfasst die Bewusstwerdung unseres Rechts auf Glück und Zufriedenheit. Psychotherapeutische Übungen, um den Selbstwert bzw. das Selbstwertgefühl zu stärken, zielen bei diesem Aspekt darauf ab, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen und gegenüber anderen Personen Grenzen zu setzen, wenn diese in unseren persönlichen Bereich eindringen. Bewusstes „Nein“-Sagen lernen, um die eigenen Ressourcen zu schonen, gehört ebenfalls in diese Säule.

Selbstsicheres Behaupten der eigenen Person


Nein sagen aus Liebe zu sich selbst, braucht zunächst etwas Selbstbewusstsein, stärkt unser Selbstwertgefühl aber auch.

Zielgerichtetes Leben


Selbst gesteckte Ziele zu erreichen steigert das Selbstwertgefühl

Sich selbst persönliche Ziele zu setzen, die unabhängig von der Wertung anderer sind, gehört ebenfalls zu einem selbstbewussten Lebensstil. Das zielgerichtete Leben zeigt uns mit erreichten Meilensteinen, wozu wir fähig sind und was wir noch alles erreichen können. Ziele können klein oder groß gesteckt sein, werden im optimalen Fall jedoch nach der SMART-Formel gewählt: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert. Mit dieser Übung für das zielgerichtete Leben lernen wir, unsere Selbstbehauptung aktiv im Alltag umzusetzen.

Der letzte Schritt zum gestärkten Selbstbewusstsein liegt in der persönlichen Integrität. Dabei geht es vor allem darum, zu uns selbst und unseren Gefühlen, Meinungen oder Wünschen und Zielen zu stehen. Wir lernen dabei, das Handeln mit dem Denken und Kommunizieren in Einklang zu bringen und unseren Standpunkt bei Bedarf auch nach außen zu verteidigen. Mit persönlicher Integrität münden Selbstliebe und Selbstwertgefühl in einem glücklichen und zufriedenen Leben, das wir uns durch Selbstbehauptung und Eigenverantwortung selbst erschaffen.

Persönliche Integrität


Die eigene Meinung zu verteidigen aus Liebe zu sich selbst

Warum psychotherapeutische Übungen den Selbstwert stärken

Das Konzept der sechs Säulen für das Selbstwertgefühl kann in der modernen Psychotherapie immer dann zum Einsatz kommen, wenn die Stärkung von Selbstwert und Selbstliebe das Potenzial hat, fundamentale Veränderungen hervorzurufen. Durch die Veränderung selbstschädigender Denkmuster und Verhaltensweisen wird nicht nur der Stress reduziert, sondern auch die Lebenseinstellung für alle Lebensbereiche nachhaltig zum Positiven verändert. Auch die persönliche Resilienz wächst auf diese Art. So können Sie durch die kontinuierliche Arbeit mit den sechs Säulen nicht nur auf eine aktuelle Problemsituation mit psychischen Erkrankungen und deren Ursachen einwirken, sondern auch lernen, Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen umzugestalten und Rückfälle in Depressionen oder einen Burnout vermeiden.

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