Burnout – mehr als Überforderung

23 Jul 2018
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Frank Oschatz
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Das komplexe Zusammenspiel des Alltags

Bei der Entstehung eines Burnouts spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Ursache für die Gesundheitssituation findet sich nicht allein in einer Belastung im Job, in einem anspruchsvollen Lebensstil oder einer zeitweisen Überforderung gegenüber den Herausforderungen des Alltags. Ein Burnout entsteht in der Regel dann, wenn mehrere Faktoren der Belastung über den Menschen hereinbrechen, und er diese selbst nicht mehr oder nur unzureichend steuern kann. Der Ausbruch des Burnouts entsteht daher häufig erst, wenn der berühmte “letzte Tropfen” das mentale Fass zum Überlaufen bringt.

Ursachen für Burnout: Berufliche und private Belastungen
Dem Ausbruch eines Burnouts geht meist ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren voran. In der Regel gibt es zunächst eine situative Belastung (Stress auf der Arbeit oder hohe familiäre Anforderungen über einen längeren Zeitraum), zu denen persönliche Aspekte hinzu kommen. Zu den persönlichen Aspekten zählen beispielsweise die Fähigkeit, die eigenen Ressourcen ausgeglichen einzusetzen oder sich angemessen von Belastungen bzw. belastenden Personen abzugrenzen. Menschen mit einem hohen Idealismus und Engagement für Projekte und/oder Mitmenschen sind gefährdeter, einen Burnout zu erleiden. Ebenso kann es jedoch auch Menschen treffen, die einer Aufgabe, einer Situation oder einer beruflichen Stellung nicht gewachsen oder von selbigen unterfordert sind (Sonderform des Burnouts, “Boreout”).

Eine Steigerung der Wahrscheinlichkeit für einen Burnout entsteht durch berufliche Einflüsse, wenn folgende Teilaspekte die hohe Belastung verstärken:

– unsichere Erfolgskriterien
– nicht erfüllbare, unrealistische Vorgaben
– hohe Verantwortung für Projekte/Mitarbeiter/Ziele unter großem Zeitdruck
– mangelhafte Einflussmöglichkeiten zur Vereinfachung komplexer Zusammenhänge oder der Zielführung
– langweilige Routinen ohne Abwechslung
– fehlende Kontinuität und häufige Unterbrechungen von Arbeitsabläufen
– keine oder nur eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten
– innerbetriebliche Konflikte, schlechtes Betriebsklima, Probleme unter und mit Mitarbeitern
– Sorge um Arbeitsplatzverlust, Existenzängste
– Ungleichgewichte zwischen Leistung und Anerkennung

Auch im privaten Rahmen können Einflüsse entstehen, welche den Burnout ohne entsprechende Gegenmaßnahmen fördern können:

– hoher Termindruck
– vielfältige Verantwortlichkeiten (Kinder, Familie, aktives Vereinsleben)
– zahlreiche, gesellschaftliche Verpflichtungen
– verantwortungsvolle Betreuung von Bedürftigen (z.B. kranke und behinderte Angehörige, Pflege von Familienmitgliedern)
– Schicksalsschläge, die gravierende Lebensveränderungen mit sich bringen
– hohe Ansprüche durch das private Umfeld
– finanzielle Probleme
– Arbeitslosigkeit und fehlende Alltagsaufgaben
– fehlende oder unzureichende Ausgleichsmöglichkeiten zur Entspannung und Regeneration (z.B. Alleinerziehende oder Menschen ohne familiäre Unterstützung)

Zu beruflichen wie privaten Belastungen kommen persönliche Faktoren hinzu, welche die Burnoutneigung steigern:

– hohe Selbstansprüche
– geringes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
– großer Wunsch nach Anerkennung
– hohes Maß an Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein
– hohes Gerechtigkeitsempfinden
– hohe Sensibilität und Empathie
– fehlende oder unzureichende Fähigkeit zur Abgrenzung
– Neigung zur Überfürsorge und Selbstaufopferung für Mitmenschen

Das komplexe Zusammenspiel des Alltags
Das Risiko für einen Burnout steigt mit dem Stresslevel, dem der Mensch jeden Tag ausgesetzt ist. In unserer hektischen Gesellschaft, die im Rahmen von Globalisierung, Leistungsdruck und unsicheren Zukunftsperspektiven jeden Einzelnen beeinflusst, ist Unsicherheit in vielfältiger Weise an der Tagesordnung.

Umso wichtiger ist es, bei allen Belastungen beruflicher wie privater Natur für sich selbst individuelle Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Schaffen Sie sich Möglichkeiten der Regeneration und der Entspannung, erlauben Sie sich ein rechtzeitiges “Nein” und bringen Sie Achtsamkeit in Ihren Tagesablauf. Sorgen Sie nicht nur für die anderen, sondern auch für sich selbst – ohne Bedenken, als egoistisch zu gelten. Trauen Sie sich auch, um Unterstützung zu bitten oder Aufgaben zu delegieren. Selbstfürsorge ist ein wichtiger Baustein in der Vermeidung eines Burnouts.

Viele Belastungen können wir jedoch nicht selbst oder nur eingeschränkt beeinflussen. Wir können uns jedoch gegen diese Belastungen wappnen und unsere inneren Batterien von Zeit zu Zeit aufzuladen, um unsere Resilienz zu stärken. Geben Sie auf sich acht und scheuen Sie beim Erkennen eines Burnouts nicht, professionelle Unterstützung zu suchen.

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