Selbstreflexion bei Burnout: hinterfragen statt zu klagen

05 Nov 2018
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Selbstreflektion für die positive Veränderung 

Ist der Burnout eingetreten, leiden viele Betroffene an Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Sie überlegen, welche Fehler sie gemacht haben, um die Situation so weit kommen zu lassen, grübeln über potenzielle Alternativen und drehen sich gedanklich im Kreis. Diese Gedankengänge sind normal und bergen großes Potenzial für eine gute Zukunft. Wichtig ist dabei, die individuellen Ursachen rein sachlich und rational zu hinterfragen und ohne Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfe neue Strategien und Lösungswege zu erarbeiten. Schaffen Sie diesen Schritt nicht alleine, bietet ein guter Therapeut Ihnen die richtige Hilfestellung, Ihre eigene Erwartungshaltung zu überprüfen und die Veränderung der Burnout-Ursachen in die Wege zu leiten.

Von Schuldgefühlen zur Selbstreflexion
Alles in unserem Leben ist ein Wechselspiel zwischen Einflüssen von Außen und unserer Reaktion darauf. Ist ein Burnout eingetreten, bringt das Betrachten der Ursachen uns nur dann weiter, wenn wir die aus der Situation resultierenden Emotionen zunächst außen vor lassen. Doch gerade die sachliche Betrachtung einer emotional und psychisch belastenden Situation ist äußerst schwer. Entsprechend ist die Unterstützung durch einen Therapeuten sinnvoll, um die ersten Schritte auf dem neuen Weg zu gehen.

Die sachliche Betrachtungsweise sollte ohne Wertung von einzelnen Aspekten erfolgen. Wurde der Burnout beispielsweise durch eine Überarbeitung im Berufsleben ausgelöst, bringt es für die Situationsveränderung wenig, auf die “bösen Kollegen” zu schimpfen, die ihre Aufgaben bei uns abgeladen haben. Ebenso wenig bringt es einen Erkrankten voran, sich selbst Vorwürfe zu machen, diese Aufgaben immer wieder übernommen zu haben.

Der sachliche Blickwinkel schaut lediglich auf den Umstand, dass der Erkrankte sehr viele Aufgaben übernommen und erfüllt hat. Dabei hat er seine vorhandene Energie verbraucht und über die eigenen Grenzen hinaus agiert. Ohne diesen Umstand als “gut” oder “schlecht” zu definieren, kann nun die Betrachtung auf potenzielle Veränderungen hin geprüft werden.

Waren die Aufgaben nur durch den Erkrankten umsetzbar oder könnten vergleichbare Aufgaben zukünftig von anderen Personen ebenso vollzogen werden? Hat der Erkrankte seine eigenen Grenzen frühzeitig wahrgenommen, aber dennoch übergangen? Oder wurde der Stress durch eine Fehleinschätzung der eigenen Kapazitäten verstärkt? Auch sollte betrachtet werden, wo und wann in der Vergangenheit Auszeiten für die Regeneration benötigt und genommen wurden und wie die zum Burnout führende Konstellation zukünftig vermieden werden kann.

Das Wahrnehmen der eigenen Grenzen wird in unserer leistungsorientierten Gesellschaft gerade von ehrgeizigen und verantwortungsbewussten Menschen oft verlernt. Erst ein Burnout bringt viele Betroffene wieder in die Situation der Selbstreflexion, während dem die eigenen Anteile an den Krankheitsursachen betrachtet und in ihren Grundlagen verändert werden.

Was ist überhaupt “Selbstreflexion”?
Unter Selbstreflexion versteht man die sachliche Betrachtung des eigenen Verhaltens.
Bei der Entstehung von Burnout gilt es beispielsweise Ursachen, die in der Vergangenheit die Entstehung einer Situation beeinflussten oder begünstigten, zu erkennen. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Aspekte gelegt, die von der betroffenen Person selbst beeinflusst wurden oder hätten beeinflusst werden können. Das eigene Verhalten wird somit in der Verbindung mit der Situation hinterfragt. Das Veränderungspotenzial durch andere Verhaltensweisen und alternative Lösungswege wird erörtert, um künftig durch neue Vorgehensweisen ein anderes Ergebnis zu erzielen. Somit erhält der Erkrankte die Chance, sich selbst aktiv an der Veränderung hin zu einer positiveren Zukunft zu beteiligen.

Die eigene Beteiligung an der Entstehen einer Überbelastungserkrankung wie dem Burnout wahrzunehmen ist ein wichtiger Aspekt. Es geht dabei nicht um “Schuld” im Sinne einer falschen Absicht, sondern um die emotionsbefreite Betrachtung der Fakten. Erst die sachliche Wahrnehmung bietet die Chance für eine Veränderung der Gesamtsituation sowie für die Prävention. So können Stressbewältigungsstrategien auf den Erkenntnissen der Selbstreflexion aufgebaut werden, Prioritäten erkannt und bei Bedarf neu gesetzt werden und der künftige Umgang mit sich selbst durch die Übernahme von Selbstverantwortung und Selbstfürsorge verändert werden.

Erwartungen und Veränderungen: Wie geht es weiter?
Durch eine offene und umfassende Selbstreflexion erhält der Burnout-Patient nicht nur neue Erkenntnisse für sich selbst, sondern auch ein wichtiges Werkzeug für eine positive Zukunft. Für den Genesungsprozess und für die Prävention einer Neuerkrankung sollten die eigenen Erwartungen in Bezug auf Leistungsfähigkeit und -leistungsbereitschaft geprüft werden. Die Prioritäten sollten zugunsten des eigenen Selbstwertes einschließlich der Selbstfürsorge nachhaltig neu gesetzt und ein “gesunder Egoismus” für die regelmäßige Regeneration entwickelt werden. Achtsamkeit bietet sich als ergänzendes Hilfsmittel im Alltag an, für den nicht nur ausgleichende Tätigkeiten neben dem Berufsleben, sondern auch ein gut gepflegtes Privat- und Sozialleben, eine gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf und regelmäßige Bewegung ihre festen Plätze erhalten sollten.

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