Die Liebe und die Depression

15 Nov 2022
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Depressionen

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Die Liebe gilt als „höchste Macht“ unter dem Himmel und doch wird der stressige Alltag oft zur Belastungsprobe für die Gefühle zweier Menschen. Eine Depression mit all ihren Auswirkungen auf das tägliche Leben wird dann umso mehr zur Herausforderung für die Partnerschaft, manchmal sogar zu ihrem Ende. Doch das muss nicht sein. Der Schlüssel liegt in Vertrauen, Offenheit und Toleranz.

Warum Depression und Liebe kein Widerspruch sein müssen

Unbestritten beeinflusst eine psychische Erkrankung jede zwischenmenschliche Beziehung. Der Partner eines Menschen mit Depressionen ist dabei ebenso von der Erkrankung belastet wie der Betroffene selbst. Offenheit und Ehrlichkeit sind in Beziehungen immer gefordert, doch ganz besonders, wenn eine Belastung gemeistert werden möchte. Irrtümer und Missverständnisse sollten offen und geduldig geklärt werden. Denn eine Partnerschaft auf solidem Fundament und Rückhalt im sozialen Umfeld sind unschätzbar wertvoll, wenn es zum länger andauernden Krankheitsfall kommt. Sie geben Stabilität und zugleich Raum für Rückzug. Sich diese positiven Aspekte der Partnerschaft zu erhalten, bedeutet freilich Arbeit und erfordert beiderseitiges Verständnis füreinander.

Ein Problem dabei: Depressionen und andere psychische Erkrankungen gehen noch immer mit vielen Vorurteilen einher. Der Umstand, dass ein Mensch Depressionen hat und phasenweise seine Lebensfreude nicht spürt, heißt nicht, dass er oder sie gar nicht fühlen kann. Im Gegenteil. Menschen mit Depressionen lieben mitunter sehr intensiv und leiden somit stark unter Wut auf sich selbst, dem Gefühl der Unzulänglichkeit, aber auch unter Liebeskummer nach Streitigkeiten. Ebenso können verstärkt Selbstvorwürfe und Schuldgedanken auftreten. Oft ist es jedoch gerade die Zuneigung zu einem anderen Menschen, welche die Kraft gibt, sich aus der Erkrankung heraus zu bewegen und den Weg zur Genesung einzuschlagen.

Dem Partner helfen – eigene Grenzen wahren

Damit die Partnerschaft auch der Belastung einer Depression standhält, sollten das Verständnis des Partners für die Erkrankung, gegenseitige Ehrlichkeit, Echtheit und Rücksichtnahme tägliche Begleiter sein. Angehörige müssen oft viel Geduld aufbringen, doch sollten sich stets vor Augen halten, dass die Depression eine echte Krankheit ist, für die der Partner nichts kann und die unter entsprechend richtiger Behandlung vorübergeht. Die Rücksichtnahme auf ehrlich geäußerte Befindlichkeiten (auf beiden Seiten) sollte jedoch nicht unbedingt in eine Überfürsorge münden. Wer sich permanent physisch und emotional verausgabt, läuft Gefahr selbst zu erkranken (auch Co-Depression genannt).

Und dieses Risiko ist hoch: Schwer depressive Personen können oft kleinste Aufgaben im Haushalt nicht mehr übernehmen, geschweige denn größerer Verantwortung wie der Kinderbetreuung nachkommen. Sie benötigen eher selbst Begleitung zu Terminen und Unterstützung im Tagesablauf. Für Ehefrau, Ehemann und Lebensgefährten kann das ein enorme Belastung sein.

Auch der Erkrankte sollte daher, wann immer möglich, Rücksicht auf seinen gesunden Partner nehmen. In dieser Situation ein ‚guter‘ Partner zu sein, heißt indes nicht, alles stillschweigend hinzunehmen. Dennoch lässt sich Unzufriedenheit von beiden Seiten optimalerweise mit sorgfältig gewählten Worten in Ich-Botschaften erläutern, ohne dass dabei jemand angegriffen wird. Dies gilt nicht nur für die Herausforderungen im Alltag, sondern auch und insbesondere im Bereich der Sexualität.

Wie Körper und Emotionen unter der Depression leiden

Depressionen, aber auch Medikamente gegen die Depression, können sich in einer verringerten Libido oder Potenzproblemen äußern. Dafür kann niemand etwas, Vorwürfe bringen hier nicht weiter. Es ist allzu verständlich, wenn der gesunde Partner sich dadurch weniger begehrt oder zurückgewiesen fühlt. Jede Empfindung hat ihre Daseinsberechtigung. Im besten Falle üben sich dennoch beide als Paar in Verständnis und finden Möglichkeiten, sich in ihrer Liebe dennoch nahe zu sein / zu kommen.

Besonders schwierig wird es für die Beziehung allerdings, wenn bei der der erkrankten Person darüber hinaus eine emotionale Leere eintritt und selbst für geliebte Personen des Umfeldes kaum noch etwas empfunden werden kann. Dies gehört jedoch zu den akuten Symptomen einer Depression und ist eben kein Ausdruck partnerschaftlicher Probleme. Wir raten unseren Patienten in solchen Fällen meist davon ab, in Akutphasen einer Depression so weitreichende Entscheidungen wie die zu einer Trennung zu treffen. Ebenso sollte der unerkrankte Partner nicht automatisch die Beziehungsfähigkeit der depressiven Person oder aber die Qualität der gemeinsamen Beziehung in Frage stellen.

Kliniken wie die Schlossparkklinik Dirmstein bieten daher auch Angehörigen- und Paargespräche an. Es ist durchaus lohnend, sich dahingehend bei der therapeutischen Einrichtung des betroffenen Partners zu erkundigen. Dem gesunden Partner können solche Gespräche dabei helfen, sich regelmäßig seine eigenen Bedürfnisse vor Augen zu führen und dazu ermutigen, sich unabhängig vom Akutzustand des Erkrankten um ein gesundes Sozialleben zu kümmern. Fühlen sich Angehörige zunehmend überlastet und laufen Gefahr selbst zu erkranken, besteht hier eine schnelle Möglichkeit, dies zu erkennen und entsprechend einzugreifen. Auch Selbsthilfegruppen oder Betroffenenverbände wie die Deutsche Depressionsliga können zudem Anlaufstellen für Erkrankte und deren Lebensgefährten sein.

Dieser Artikel erschien erstmals am 06. Juli 2020 und wurde überarbeitet.

10 Kommentare

  1. Ich persönlich habe eine komplexe posttraumatische belastungsstörung und habe vor kurzer Zeit einen Mann kennengelernt, durch den ich diese Krankheit überhaupt erst erkannt habe. Ich weiß nicht warum, aber ich wollte mir anscheinend all die Jahre nicht eingestehen wie schlecht es mir geht. Nun hat er mich „geknackt“ und dafür bin ich sehr dankbar, denn ich habe das Gefühl, dass ich mein Leben jetzt endlich wieder in die richtige Richtung lenken kann. Allerdings leidet er aktuell unter Depressionen und ist meiner Meinung nach selbst traumatisiert. Gäbe es auch die Möglichkeit, dass man als Paar zusammen eine stationäre Therapie macht? In der Vergangenheit hieß es immer, man sollte sowas trennen, aber genau das war der Grund warum es bei mir nie geklappt hat. Ich würde mich sehr über Infos diesbezüglich freuen.

  2. Liebe Leserin,
    sehr gerne können wir Sie, insofern Ihre Krankenversicherung eine Behandlung bei uns übernehmen würde, individuell und im Detail beraten. Prinzipiell bieten und empfehlen wir während des Aufenthaltes bei uns den Angehörigen (also z.B. engen Familienmitgliedern oder Partnern) die Teilnahme an gemeinsamen therapeutischen Sitzungen z.B. in Form von Paargesprächen, da eine Krankheit eben nie nur den Erkrankten selbst betrifft. Wir hoffen, Ihnen damit eine erste zufriedenstellende Antwort gegeben zu haben, sind Ihnen aber wie gesagt gern auch persönlich behilflich: 06238983470.
    Ihnen alles Gute!
    Ihr Team der Schlossparkklinik Dirmstein

  3. Ich habe das Problem, dass wir seit 8 Monaten sehr verliebt und glücklich sind, meine Partnerin keine gefühlten, bewussten und erkennbare Probleme hat.
    Wie kann es sein, dass man trotz einer Überflutung mit Glückshormonen (Serotonin, Dopamin) in der Verliebtheit trotzdem an einer Depression erkranken kann?
    Wäre froh um eine Antwort.
    Danke!

  4. Lieber Leser,

    Wenn ich Sie richtig verstanden habe, leidet Ihre Partnerin – trotz der frischen beiderseitigen Verliebtheit – an einer Depression?
    Nun, soweit ich das trotz der spärlichen Angaben beantworten kann: leider schließt das eine das Andere nicht aus. Grundsätzlich kann eine vorbestehende Depression zwar durch eine Verliebtheit abgemildert werden, im Einzelfall auch verschwinden, jedoch ist die „Biochemie“ in unserem Gehirn nicht das Einzige… Manchmal werden auch im Rahmen einer neuen Partnerschaft alte Ängste reaktiviert (z.B. „verlassen werden zu können“, eventuell „nicht zu genügen“, etc.), die uns zunächst hilflos machen, und anderes. Manchmal sind andere Erkrankungen im Spiel, die die Stimmung beeinflussen, usw.

    Wir wünschen Ihnen alles Gute!

    Ihr Team der Schlossparkklinik Dirmstein

  5. Meine Frage

    Habe meinem Freund gesagt dass ich mich in ihn verliebt habe
    Jetzt hat er mir geschrieben er sei deprimiert
    Hat es was damit zutun?
    Muss ich um unsere Freundschaft angst haben?

  6. Liebe/r Leser/in,
    es tut uns leid zu hören, dass Ihr Freund deprimiert scheint, nachdem Sie ihm Ihre Gefühle offenbart haben. Ob dies direkt mit Ihrer Liebeserklärung zusammenhängt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es kann verschiedene Gründe geben, warum Ihr Freund in diesem Moment deprimiert auf sie wirkt. Wichtig ist jetzt, dass Sie einfühlsam und verständnisvoll mit ihm umgehen und ihm Ihre Unterstützung anbieten. Sprechen Sie mit ihm über seine Gefühle und bieten Sie ihm gegebenenfalls professionelle Hilfe an. Wenn Ihre Freundschaft stark genug ist, kann sie diese Herausforderung meistern.

    Wir wünschen Ihnen alles Gute!

    Ihr Team der Schlossparkklinik Dirmstein

  7. Hallo,

    ich habe vor 6 Monaten meinen Partner kennengelernt und er leidet unter Depressionen. Er hat immer wieder Zweifel, ob er in der Lage ist, eine Beziehung zu führen, da er unter Bindungsängsten leidet. Nun ist es soweit und wir haben uns getrennt. Gestern hatten wir ein sehr langes emotionales Gespräch, weil er denkt, er sei nicht in der Lage, eine Beziehung zu führen, braucht einen Neustart und muss weg aus seiner gewohnten Umgebung und sozialem Umfeld. Er möchte mich schützen und meine Zeit nicht vergolden, mich nicht in seine Probleme mit hineinziehen. Er müsse diese Probleme mit sich alleine klären und es kann ihm keiner dabei helfen.
    Wir haben beide starke Gefühle füreinander entwickelt und vermissen uns.

    Nun meine Frage:
    Lohnt es sich hier weiter zu kämpfen und kann ich ihm irgendwie doch helfen?

  8. Liebe J.E.,
    Es tut uns leid zu hören, dass ihr Partner unter Depressionen und Bindungsängsten zu leiden scheint. Ob es sich lohnt, weiterzukämpfen und zu helfen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist wichtig, dass er selbst den Wunsch hat, an seinen Problemen zu arbeiten und Hilfe anzunehmen. Sie können für ihn da sein und ihm zeigen, dass sie sein Unterstützungssystem sind. Professionelle Hilfe, wie diese beispielsweise ein Therapeut oder Hausarzt darstellen können, könnten auch helfen. Letztendlich liegt es an ihrem Freund, ob er Hilfe annehmen möchte und kann. Denken auch Sie an ihre eigenen Bedürfnisse und achten Sie auf sich selbst.

    Alles Gute in dieser Situation.

  9. Hallo ,

    Mein Partner war St. ganz plötzlich an einer akuten Depression erkrankt , laut ihm war ich die Liebe die man nur einmal im Leben trifft aber sehr plötzlich ohne voran gegangen Grund meinte er ich wäre ohne ihn besser dran und er hat den Kontakt abgebrochen , wird er eine andere Meinung haben wenn die depressive Phase abgeklungen ist oder ist seine Entscheidung ernst zu nehmen

  10. Liebe Molly,

    wir bedauern zu hören, dass es Ihrem Partner nicht gut geht und der Kontakt zu Ihnen eingeschränkt ist. Zur Bewältigung einer Depression ist es wichtig, dass ihr Partner die nötige Unterstützung und Behandlung erhält, um sich zu erholen. Leider ist es vorab nicht möglich, eine Prognose abzugeben, wie die betreffende Person sich fühlen wird, wenn eine depressive Phase abgeklungen ist. Genauso verhält es sich mit dem Kontaktwunsch Ihres Partners, denn jeder Mensch durchläuft eine individuelle Erfahrung von Depression.

    Wir wünschen Ihnen und Ihrem Partner alles Gute und hoffen, dass er schnell wieder gesund wird.

    Ihr Team der Schlossparkklinik

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