Gärtnern für die Seele: 7 Gründe, warum Gartenarbeit unserer Psyche guttut und eine sinnvolle Beschäftigung bei Depression ist

26 Apr 2022
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Vertikutieren, Sträucher zurückschneiden, Setzlinge anzüchten: Im Frühling gibt es im Garten viel zu tun – und zu genießen. Zahlreiche Studien belegen, wie gut Gärtnern unserer Psyche tut. Die Beschäftigung im Grünen hilft sogar bei Depressionen. Was Sie bei Ihrer Gartenarbeit dafür beachten sollten und wie Anfängern das Gärtnern glückt!

Wer nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause kommt und das Glück hat, einen Garten zu besitzen, weiß um die magische Wirkung, die mit dem Tritt nach draußen in die eigene, grüne Oase einhergeht. Nicht zuletzt in der Corona-Pandemie haben viele die Beschäftigung mit Sträuchern, Samen und Zimmerpflanzen für sich entdeckt. Unsere Psyche profitiert davon, sogar bei Depression.

Gärtnern als Beschäftigung ist auch bei Depressionen sinnvoll und gut für die Psyche

Das Gärtnern wirkt sich vor allem positiv auf unser psychisches Wohlbefinden aus und macht uns zufriedener. Eine Metastudie von Wissenschaftlern der Universität Tokyo wertete 2017 bis dato erschienene Studien aus, die mit Kontroll- und Versuchsgruppen gearbeitet hatten. In diesen wurden also Hobbygärtner und Nicht-Gärtner verglichen, beziehungsweise Personen, bevor und nachdem sie angefangen hatten, Gartenarbeit nachzugehen. Das Ergebnis: Menschen, die regelmäßig pflanzten, säten, hegten und pflegten hatten eine bessere Stimmung, weniger Stress und eine als höher empfundene Lebensqualität. Auch Symptome von Angst-, Belastungsstörungen und Depressionen waren schwächer oder seltener. Ist das Gärtnern also eine hilfreiche Beschäftigung bei Depression und anderen psychischen Erkrankungen?

Was passiert im Körper, wenn wir im Garten sind?

Blutdruck und Herzfrequenz sinken, sobald wir Menschen ins Grüne treten. Neben Naturgeräuschen wie Bienensummen und dem Rauschen der Blätter wirken auch die visuellen Reize von natürlichen Umgebungen (ob Wald, Parkanlage oder Garten) beruhigend auf uns. Mutmaßlich entsprechen diese unseren neurobiologischen Präferenzen. In Studien, welche die körperlichen Reaktionen auf das Betrachten natürlicher versus städtischer Umgebungen untersuchten, lösten Naturbilder positive Emotionen aus und senkten den Stresspegel. Die gemessenen Augenbewegungen und Häufigkeit des Blinzelns wiesen auf weniger Anstrengung beim Betrachten hin als bei urbanen Motiven.

Gartenarbeit bedeutet zudem immer auch körperliche Arbeit. Je nach Tätigkeit werden Muskeln aufgebaut oder entspannt; oft handelt es sich um gleichförmige, sich wiederholende Bewegungen mit einer leichten bis mittleren Anstrengung, die einem mäßigem Cardio-Training entspricht. Welche positiven Effekte Harken, Pflücken und Säen somit haben dürften, können Sie hier im Detail lesen: Wie Sport gegen Depressionen wirkt.

Frische Luft bedeutet für uns außerdem Sauerstoff und viel Licht – selbst bei bedecktem Himmel. Das sorgt für bessere Laune und wirkt aktivierend, denn unser Körper drosselt bei Sonneneinstrahlung die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Nicht zuletzt erntet der ein oder andere im Garten sein eigenes Obst und Gemüse und trägt so selbst zu seiner ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung bei. Für das Gärtnern ist nicht unbedingt Vorerfahrung notwendig, sondern es ist auch für Anfänger geeignet.

Gärtnern für Anfänger: Pflanzen Sie Gemüse an. Radieschen wachsen besonders schnell

Welche weiteren Faktoren des Gärtnerns wirken sich günstig auf unser mentales Wohlbefinden aus?

Wer öfter zu Gartenhandschuh und Schubkarre greift, weiß, wie friedlich, fast kontemplativ Gartenarbeit sein kann, aber auch wie stolz wir sind, wenn wir kleine botanische Projekte umgesetzt haben und unser getanes Werk betrachten können. Denn im Grunde bedeutet Natur auch Chaos. Im Garten aber können wir uns eine kleine Welt nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten und Ordnung schaffen. Das kann sehr wohltuend sein in einer Welt voller Krisen und Unberechenbarkeit, in der wir über viele Dinge keine Kontrolle haben. Gleichzeitig lernen wir im Garten auch zu ertragen und hinzunehmen. Denn die Natur hat ihren eigenen Rhythmus und erdet uns – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein weiterer Aspekt: Im Garten können wir unser Bedürfnis danach ausleben, uns um etwas zu kümmern. Wir erfahren Selbstwirksamkeit, indem unter unserer Zuwendung Pflanzen wachsen, gedeihen und aufblühen. Diese Erfolgserlebnisse beflügeln uns und machen uns zufrieden.

Warum kann die Beschäftigung im Garten bei Depressionen helfen?

Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist bei Depressionen wichtig. So lässt sich Antriebslosigkeit überwinden.

Das Gärtnern vereint viele Aspekte, die sich sowohl bei psychisch gesunden als auch erkrankten Menschen positiv auswirken. Speziell im Falle einer Depression ist dabei die Beschäftigung per se hilfreich. So bringt ein Hobby bzw. eine regelmäßige Freizeitaktivität Struktur in den Tag. Antriebslosigkeit lässt sich dadurch leichter überwinden.

Wer gerade die Rosen stutzt, weiß aus Erfahrung zudem, dass eine solche Tätigkeit unsere volle Aufmerksamkeit fordert. Das wiederum hilft dabei, Grübeleien zu unterbrechen und mindert Gefühle der Einsamkeit. Ohnehin fühlen wir uns umgeben von Pflanzen nachweislich weniger allein – ohne die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen, die für Menschen mit Angststörungen oder Depressionen herausfordernd sein können.

Auch die zuvor beschriebenen Erfolge beim Gärtnern und die darin erlebte Selbstwirksamkeit ist für depressiv erkrankte Menschen eine wertvolle Erfahrung, die neue Motivation bringt – vielleicht sogar den Ehrgeiz weckt.

Gärtnern als Beschäftigungstherapie?

Im Vereinigten Königreich wird das „Verschreiben“ von Hobbys durch den therapierenden Arzt bei leichten bis mittelschweren Depressionen schon länger praktiziert. Im Rahmen einer Studie am University College London wurden 8800 Erwachsene über zwölf Jahre hinweg kontinuierlich zu depressiven Symptomen und dem Nachgehen von Hobbys interviewt. Als Hobby wurde die regelmäßige Beschäftigung zum Zeitvertreib definiert, allerdings unter der Bedingung „körperlich nicht anstrengend“, um die Ergebnisse von den durchaus positiven Effekten von Sport zu bereinigen. Wer anfangs keine Freizeitbeschäftigung hatte und während der Studie eine aufnahm, hatte im Verlauf der Studie ein um 32 Prozent geringeres Risiko an einer Depression zu erkranken als jene, die ohne Hobby blieben. Wer bereits an einer Depression erkrankt war, hatte durch eine regelmäßige Freizeitaktivität mildere Symptome und konnte seine Chancen auf Genesung um das Dreifache erhöhen.

Wo Gartenarbeit bereits therapeutisch eingesetzt wird

Nicht zuletzt wegen dieser mittlerweile gut belegten Wirkungen auf unsere mentale Gesundheit wird Gartenarbeit vielfältig als Therapiebestandteil eingesetzt: zum Beispiel in der Geriatrie bei Demenz, in der Psychotherapie bei affektiven Störungen und Belastungsstörungen sowie als ergotherapeutische Maßnahme in der Neurorehabilitation. Laut einer Studie der Universität Kopenhagen konnte die „nature-based Therapy“, die neben Achtsamkeitsübungen regelmäßige Gartenarbeit unter Anleitung eines ausgebildeten Gärtners beinhaltete, ähnliche Erfolge wie kognitive Verhaltenstherapie bei den Probanden erzielen.

Gartentherapie ist schon gut erprobt und hilft gegen Depressionen, Belastungsstörungen und Angst

Dabei sind weder die Idee des therapeutischen Gärtners noch die Befunde ganz neu: Bereits im 18. Jahrhundert wurden Gärten und Gewächshäuser in Psychiatrien zu therapeutischen Zwecken angelegt. Beobachtungen aus dieser Zeit attestierten schon damals jenen Patienten, die ihren Klinikaufenthalt durch Gartenarbeit finanzierten, eine schnellere Gesundheit. Heutzutage ist das therapeutische Gärtnern besonders in den USA, Australien und in den Niederlanden verbreitet.

Helfen auch Zimmerpflanzen gegen Depressionen?

Knapp die Hälfte der Deutschen besitzt einen Garten oder hat Zugang dazu. Das bedeutet aber auch: Sehr viele Menschen müssen beim Gärtnern auf Balkon- oder Zimmerpflanzen ausweichen. Für Depressionen oder psychische Belastungen kann auch das immer noch Vorteile bereithalten. Gerade während der Corona-Pandemie profitierte das psychische Wohlbefinden von Pflanzen in der Wohnumgebung. In einer – zugegeben recht kurzweiligen – Studie der Universität Genua wurden 4000 Menschen aus 46 Ländern während der ersten Lockdowns von März bis Juni 2020 zu ihrer Wohnsituation und ihrem mentalen Befinden befragt. Menschen mit vielen Pflanzen empfanden die Isolation als weniger belastend als Menschen ohne oder mit nur wenigen Pflanzen. Ähnliche Untersuchungen legen nahe, dass sich Menschen in Räumen mit Pflanzen – ob in der Schule oder im Krankenhaus – zufriedener fühlen, schneller genesen oder gar weniger Schmerzmittel benötigen. Aspekte wie Selbstwirksamkeit, Kontrolle und die Hinwendung zu einem Objekt, das unter der Pflege aufblüht, kommen ja auch bei Zimmerpflanzen zum Tragen.

Was sollte man beim Gärtnern für Anfänger beachten?

Tipps für das Gärtnern für Anfänger
  1. Machen Sie sich schlau! Was braucht die jeweilige Pflanze – sonnigen Standort, wieviel Wasser?
  2. Nicht zu viel gießen! Wurzeln faulen in Staunässe.
  3. Greifen Sie eher zu pflegeleichten Pflanzen wie Monstera und Korbmaranthe, die keine spezielle Luftfeuchtigkeit brauchen!
  4. Für das Extra an Wohlbefinden pflanzen Sie Lavendel an! Ätherische Öle wirken entspannungsfördernd und beruhigend auf unser vegetatives Nervensystem.
  5. Haben Sie keine Schuldgefühle! Manches ist außerhalb unserer Kontrolle, z. B. Schädlinge.
  6. Gelingt Ihnen nichts? Auch Bilder mit Grün und Naturmotiven heben die Stimmung.

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