Depressionen: 10 wichtige Fragen zum Thema Schwermut

Kann ich mich vor Depressionen schützen?  

Depressionen machen vor allem in Herbst und Winter Millionen Menschen zu schaffen. Ob und wie man sich vor Trübsinn schützen kann, erläutern die Experten der Schlossparkklinik Dirmstein.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leidet jeder zehnte Mensch rund um den Globus unter Depressionen. Über die entscheidenden Entstehungsursachen sind sich die Forscher jedoch bis heute im Detail noch nicht ganz einig. Der wesentliche Grund dafür liegt in der Komplexität unseres Gehirns. „Mit seinen rund 100 Milliarden Neuronen ist es nach wie vor wissenschaftliches noch nicht ausreichend verstanden“, sagt Dr. Thorsten Bracher, Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein.

Wodurch entstehen Depressionen?

Sicher ist, dass nicht nur die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Vielmehr ist das Zusammenspiel bzw. die Wechselwirkung biologischer Faktoren (Hirnstoffwechselstörungen) und psychosozialer Momente (Jobverlust, private Trennung etc.) entscheidend. Besonders hoch ist das Risiko, depressiv zu werden, bei Menschen mit körperlichen Leiden.

Sind Depressionen die Folge schwerer Schicksalsschläge?

Tatsache ist, dass der Erkrankung oft sehr belastende Ereignisse vorausgehen. Das können der Tod des Ehepartners oder die berufliche Kündigung sein. „Doch es ist längst nicht immer der schwere Schicksalsschlag, der uns in ein tiefes Loch fallen lässt“, gibt Dr. Bracher zu Bedenken. „Auch chronische Überforderungen im Job, kleinere Veränderungen in Beruf oder Familie können Auslöser einer Depression sein.“

Was sind typische Symptome?

Typische Symptome sind unter anderem Niedergeschlagenheit und Trauer, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche. Doch auch körperlich bringt diese psychische Störung nicht selten erhebliche Probleme mit sich. „Manchmal verbergen sich hinter Magen- oder Darmbeschwerden, Schwindel sowie Kopf- und Rückenschmerzen eine Depressionen“, so Dr. Bracher. „Hier ist fachärztliche Klärung erforderlich.“

Kann ich mich vor Depressionen schützen?

„Einen sicheren Schutz davor gibt es nicht“, betont Dr. Bracher. Denn schließlich kann niemand auslösende traumatische Erlebnisse, wie etwa den Tod eines geliebten Menschen, voraussehen. „Allerdings lassen sich die Risiken durch ein funktionierendes soziales Netzwerk mit guten Freunden sowie abwechslungsreichen Hobbys senken“, so der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie. Sport und viel Bewegung an der frischen Luft können zudem regelrecht antidepressiv wirken. Und auch ausreichende Entspannung steuert einem Stimmungstief entgegen. Besteht eine besondere Depressionsgefährdung, etwa durch hohe Leistungsorientierung und Dauer-Stress oder wurde bereits einmal eine Depression diagnostiziert, empfehlen sich professionelle Präventivprogramme. Im Trend: so genannte Achtsamkeits-Trainings.

Was bringen Achtsamkeits-Trainings?

Ca. 80 Prozent aller Menschen mit Depressionen erleiden mehrmals in ihrem Leben Phasen der Schwermut. Professionelle Präventivprogramme wie das „Achtsamkeitstraining“ können einem Rückfall vorbeugen. Das haben langjährige neurowissenschaftliche Studien belegt. „Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zu Psychotherapie und Antidepressiva, je nach Schweregrad manchmal auch eine Alternative“, betont Juliane Stern, zuständige Therapeutin der Schlossparkklinik Dirmstein. Dabei lernen Betroffene ihre Gefühle besser wahrzunehmen und zu verstehen. „In erster Linie geht es nicht darum, sich besser zu fühlen, sondern zunächst einmal darum, besser im Fühlen zu werden“, betont die Expertin.

Wodurch lerne ich, besser mit meinen Gefühlen umzugehen?

„In den Achtsamkeitstrainings lernen die Teilnehmer, sich auch unangenehmen Gefühlen zu öffnen statt diesen auszuweichen“, erklärt Therapeutin Stern, „also etwa Trauer, Angst oder Ohnmacht zuzulassen.“ Die Auseinandersetzung mit meditativen Grundhaltungen (Loslassen lernen, Mitgefühl empfinden) setzt zudem Selbstheilungskräfte und neue Energien frei – sowohl auf der kognitiven als auch der emotionalen Ebene. „In den Alltag übernommen, zeigen regelmäßige Übungen schon nach wenigen Wochen Wirkung,“ versichert Juliane Stern. So belegen Studien positive Veränderungen in den Gehirnbereichen, die für die Emotionsregulation und die Konzentrationsfähigkeit zuständig sind.

Sind Depressionen eine „richtige“ Krankheit?

„Ja, Depressionen sind eine Volkskrankheit, deren Schwere sehr häufig unterschätzt wird“, stellt Dr. Bracher klar. „Im Gegensatz zu Verstimmungen, unter denen viele Menschen vor allem in der trüben Jahreszeit leiden, können Depressionen Monate und Jahre andauern“, erläutert der Facharzt. Betroffen sind keineswegs nur besonders sensible oder labile Menschen, wie oft zu hören ist. Treffen kann es jeden – Kinder ebenso wie alte Menschen.

Wie viele Menschen leiden unter Schwermut?

„Man geht davon aus, dass jeder Fünfte in seinem Leben einmal von einer Depression betroffen ist“, erklärt Dr. Bracher. „Bei Männern sind es etwa zehn, bei Frauen um die 25 Prozent.“

Verschwinden Depressionen von alleine wieder?

Das ist natürlich der Wunsch vieler Betroffener. Doch unbehandelt vergehen Depressionen nicht von alleine. Deshalb sollte spätestens 3-4 Wochen nach Beginn der depressiven Verstimmungen der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser kann beurteilen, ob psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe erforderlich ist. Eine therapeutische Behandlung dauert oft Monate. Doch es lohnt sich: „Je früher die Behandlung beginnt, desto schneller und effektiver können die Beschwerden in der Regel behoben werden“, so Dr. Bracher. Es kommt wieder zu mehr Lebensfreude und psychischer Stabilität. Wiederholungen der depressiven Phasen sind aber nicht ausgeschlossen (siehe Achtsamkeits-Trainings).

Verändern Antidepressiva die Persönlichkeit?

In der Regel umfasst die Behandlung einer mittleren bis starken Depression neben der psychotherapeutischen Unterstützung auch Psychopharmaka (Antidepressiva). Diese machen – entgegen vieler Mutmaßungen – nicht abhängig und verändern auch nicht die Persönlichkeit. Eigentlich ist es eher umgekehrt: Dank der Medikamente lässt sich das chemische Gleichgewicht im Gehirn wieder herstellen. Im optimalen Fall ist der Patient anschließend symptomfrei. Unbehandelt hingegen können Depressionen chronifizieren und wodurch sich Persönlichkeit und Verhalten des Betroffenen im weiteren Krankheitsverlauf möglicherweise dauerhaft verändern.

Wie finde ich einen geeigneten Therapeuten?

Die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) haben in der Regel eine Therapeutenliste ihres Zulassungsbezirks vorliegen. Mitunter gibt es dort sogar Koordinatoren, die über Wartezeiten Bescheid wissen und entsprechende Adressen vermitteln. Solche Listen haben in der Regel auch die Krankenkassen, die niedergelassenen Psychiater teilweise sogar die Hausärzte. Ist ein Therapeut gefunden, sollte in den sogenannten probatorischen Sitzungen (4 bis 5) geprüft werden, ob gegenseitig „die Chemie stimmt“. Dabei kann der Patient auch feststellen, ob der Therapeut sich interessiert, Verständnis hat und bei Lösungsansätzen helfen kann.

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