Kein Therapieplatz weit und breit: Was tun bei langen Wartelisten für Psychotherapie?

03 Mai 2022
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Sechs Monate wartet man in Deutschland im Schnitt auf eine Psychotherapie mit Kassenzulassung. Doch Depressionen oder Angststörungen verschwinden nicht einfach wieder wie ein Schnupfen, sondern werden ohne Behandlung häufig schlimmer. Wir erklären, wie Sie schnellstmöglich eine Therapie beginnen können – und welche Alternativen es gibt, wenn weit und breit kein Therapieplatz verfügbar ist.

Der Weg zur Psychotherapie mit Kassenzulassung

Die erste Hürde ist oft schon: Wie finde ich überhaupt einen Therapeuten, eine Therapeutin in meiner Nähe? Hier sind die Onlineangebote der Bundespsychotherapeutenkammer oder der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung nützlich. Auch die kostenfreie Patientenservice-Nummer 116117 hilft mit Auskünften weiter.

Seit 2017 muss man vor einer regulären Psychotherapie mit Kassenzulassung eine psychotherapeutische Sprechstunde in Anspruch nehmen. Dabei werden die Weichen für eine spätere Behandlung gestellt. Sechs Termine zu je 25 Minuten stehen gesetzlich Versicherten zu, Kindern bis zu zehn. Psychotherapeuten sind verpflichtet, Sprechstundentermine auch kurzfristig anzubieten.

Kein Therapieplatz: Wie Sie trotzdem schnell Hilfe erhalten

Der Haken an der psychotherapeutischen Sprechstunde: Oft ist im Anschluss kein Therapieplatz verfügbar. Doch sechs Monate oder länger auf eine Psychotherapie mit Kassenzulassung zu warten, ist bei akuten Beschwerden unzumutbar. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen! Folgende Möglichkeiten gibt es, die Warteliste für eine Psychotherapie zu umgehen:

1. Psychotherapie ohne Kassenzulassung

Die Warteliste für Psychotherapie ist lang, aber Sie können sie umgehen

Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, Versicherten rechtzeitig eine notwendige medizinische Behandlung zu ermöglichen – so steht es in § 13 Absatz 3 des Sozialgesetzbuches. Wenn in der näheren Umgebung kein Therapieplatz mit Kassenzulassung frei ist, muss die GKV daher in dringenden Fällen die Behandlung in einer Privatpraxis übernehmen. Man nennt diesen Weg auch „Kostenerstattungsverfahren“.

Leider gibt es keine Garantie, dass die Krankenkasse den Antrag auf Kostenerstattung ohne Weiteres akzeptiert. Gehen Sie am besten so vor: Lassen Sie sich in der psychotherapeutischen Sprechstunde auf einem Formblatt bestätigen, dass die Therapie „notwendig und unaufschiebbar“ ist. Anschließend kontaktieren Sie mindestens drei bis fünf Therapeuten mit Kassenzulassung in Ihrer Nähe und fragen nach einem Therapieplatz. Protokollieren Sie diese Anrufe mit Datum und Ergebnis, also der Absage. Wenden Sie sich nun an einen privaten Psychotherapeuten und lassen Sie sich bestätigen, dass er die Behandlung sofort übernehmen kann. Mit den gesammelten Unterlagen stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse einen „Antrag auf ambulante Psychotherapie und Kostenerstattung nach § 13 Absatz 3 SGB V“.

2. Psychotherapeutische Akutbehandlung

Seit 2017 haben gesetzlich Versicherte in psychischen Krisensituationen Anspruch auf eine ambulante Akutbehandlung. Diese umfasst bis zu zwölf Therapiestunden. Zwar wartet man auch auf die Akutbehandlung im Schnitt drei Wochen, das ist aber immerhin besser als sechs Monate. Die Soforthilfe ist allerdings keine reguläre Psychotherapie! Sie dient in erster Linie dazu, Patienten zu stabilisieren und eine weitere Eskalation zu verhindern. Um psychische Beschwerden dauerhaft in den Griff zu bekommen, reicht die kurze Therapiedauer normalerweise nicht aus.

3. Private Coaching-Sitzungen

Nicht immer braucht es eine lange Psychotherapie, um Probleme aus der Welt zu schaffen. Wer durch schwierige Lebensumstände aus dem Tritt geraten ist – etwa wegen einer Kündigung oder Trennung – findet mitunter auch durch Coaching wieder zu psychischer Stabilität zurück. Wichtig: Coaching ist keine psychotherapeutische Behandlung, echte psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Angststörung bekommt man damit nicht in den Griff. Coaching eignet sich jedoch, um rasch pragmatische Lösungen für konkrete Probleme zu erarbeiten oder festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen. Die Kosten sind normalerweise privat zu tragen.

Coaching kann unter bestimmten Umständen eine Alternative zur Psychotherapie mit Kassenzulassung sein

4. Stationäre Akuttherapie und Privatkliniken

Ist die Warteliste für eine Psychotherapie zu lang und der Leidensdruck hoch, können Sie auch eine stationäre Akuttherapie in Erwägung ziehen. In Akutkliniken erhalten Sie eine etwa vier- bis sechswöchige Behandlung mit einem komprimierten Programm aus Einzel- und Gruppentherapien. Die Kosten übernehmen bei gesetzlich Versicherten die Krankenkassen, wenn der Hausarzt eine entsprechende Überweisung ausstellt. Will man zeitnah aufgenommen werden, dann kann man sich die Klinik und das dort verfügbare Therapieangebot aber normalerweise nicht aussuchen.

Kein Therapieplatz für gesetzlich Versicherte? Als Selbstzahler in die Privatklinik kann ebenso funktionieren

Eine Alternative für Privatversicherte oder Selbstzahler sind private Akutkliniken wie die Schlossparkklinik Dirmstein. Sie können Patienten in der Regel rasch aufnehmen und verfolgen ein individuelles Therapiekonzept mit einem vielfältigen Angebot. Ein Vorteil privater Kliniken ist auch: Die Therapie kann „unter dem Radar“ erfolgen, was beispielsweise für angehende Staatsdiener wichtig ist.

5. Betreuung durch den Hausarzt

Viele Betroffene überbrücken die Wartezeit auf eine Psychotherapie mit Kassenzulassung durch eine Behandlung beim Hausarzt. Hausärzte bieten normalerweise keine Psychotherapie an, können aber Medikamente verschreiben, die bei Depressionen oder Angststörungen erste Linderung verschaffen. Warum Hausärzte als erste Anlaufstelle bei psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen, meist aber keine vollwertige Behandlung leisten können, lesen Sie demnächst hier in unserem Magazin.

In jedem Fall gilt: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn in Ihrer Nähe kein Therapieplatz verfügbar ist! Es gibt alternative Hilfsangebote, damit Sie eine psychische Krise nicht einfach allein durchstehen müssen.

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