Burnout im Alter 50+ : Risikofaktor Best Ager und Manager?

10 Mai 2022
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Männlich, Manager, Viel-Arbeiter: So sieht in unseren Köpfen das menschgewordene Burnout aus. Doch die Risikofaktoren für das Burnout-Syndrom, eigentlich eine Vorstufe zur Erschöpfungsdepression, sind vielfältiger als das. In der Altersgruppe der 50 bis 65-Jährigen erkranken besonders viele. Warum?

Wenn Sie zwischen 50 und 65 Jahre alt sind, gehören Sie zu den sogenannten Best Agern und haben es eigentlich geschafft. Midlife Crisis und Wechseljahre liegen hinter Ihnen, Sie sind beruflich etabliert – vielleicht sogar in einer Führungsposition – und Ihre Kinder wohnen nicht mehr im Haus oder sind zumindest längst selbstständig. Dennoch schlagen in diesem Alter Managerkrankheit und Burnout statistisch besonders häufig zu. Risikofaktoren sind dabei neben dem Geschlecht und Alter auch die hohen Leistungsansprüche an die eigene Arbeit.

Welche Gründe hat ein Burnout in diesem Alter?

Oft sprechen wir in diesem Lebensabschnitt von Menschen „im besten Alter“, weil sie sich eine berufliche Karriere aufgebaut haben und privat als gefestigt gelten. Wesentliche Stressoren wie die Notwendigkeit sich auf der Arbeit durch Überstunden, Mehrarbeit und Co. zu profilieren, oder auch die Doppelbelastung, sich gleichzeitig um Job und Kinder zu kümmern, ist größtenteils entfallen. Allerding kommt stattdessen nun immer häufiger die Betreuung und Unterstützung der eigenen Eltern hinzu, die aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen Hilfe bedürfen.

Dauerziel Leistung steigern

Eine Erschöpfungsdepression folgt dem Burnout
Auf der Karriereleiter angekommen.

Dennoch will das hart Erarbeitete erhalten werden. Wer über die Jahre aufgestiegen ist, hat nun mitunter eine Manager-Position inne. Der Leistungsdruck auf der Arbeit ist also noch immer hoch, die Verantwortung gestiegen; hinzukommt eine allgemeine Verdichtung der Arbeit, die für alle spürbar ist – auch ohne Führungsverantwortung. Unsere Leistungsgesellschaft gibt dabei die Richtung für den Alltag vor: Arbeitsabläufe werden optimiert, Zeit gespart und Profite maximiert. Immer besser, höher, schneller und innovativer sollen Menschen ihre eigene Leistung voranbringen. Dabei soll stetig an sich gearbeitet und das Umfeld durch effiziente Veränderungen verändert werden. Manager und andere Menschen in Führungspositionen übernehmen hier wiederum nicht nur die Verantwortung für die Ergebnisse der eigenen Leistung, sondern darüber hinaus auch für die Mitarbeiter im eigenen Team. Der Konkurrenzdruck auf dem Markt sowie in den eigenen Reihen potenziert die ursprüngliche Anforderung an den Einzelnen, der mit einem Lächeln auf den Lippen hoffentlich bald die nächste Innovation auf den Tisch legt.

Wenn’s nicht mehr so geht „wie früher“

Ein Burnout können nicht nur Manager haben

Gleichzeitig macht sich der schon mit dem 30. Lebensjahr einsetzende körperliche Abbau mit Mitte 50 nun deutlich bemerkbar. Bis zu dieser magischen Grenze lässt sich die Ausdauer noch gut erhalten, dann kippt unsere biologische Leistungsfähigkeit aber durch spürbaren Muskelabbau zugunsten einer Zunahme an Körperfett. Gerade Entgiftungsorgane wie Leber und Niere arbeiten nun weniger effektiv, Gefäße verkalken langsam, der Blutdruck nimmt zu und die Belastung für unser Herz steigt. Stress hinterlässt nun körperlich noch größere Spuren. Nicht umsonst sind zwischen 55 und 60 Jahren Führungspersonen des Öfteren von der „Managerkrankheit“ betroffen, womit stressbedingte Herz- oder Schlaganfälle gemeint sind.

Gerade jetzt also, wo Best Ager mitten im Leben stehen und der Leistungswille noch hoch ist, merken viele, dass ihre Leistungsfähigkeit sinkt – sowohl biologisch als auch verausgabungsbedingt. Frauen und Männer in ihren Fünfzigern finden sich also plötzlich in einem Spannungsdreieck aus Wollen, Sollen und Können wieder und brennen dadurch sowohl physisch als auch psychisch aus. Die Eigenwahrnehmung als Mensch im besten Alter, der doch alles alleine schaffen sollte, kann erst recht die Entstehung eines Burnouts fördern und die bisher zur Verfügung stehende Energie durch häufige Überbelastung schleichend aufbrauchen. Das Resultat: zum Beispiel eine Erschöpfungsdepression. Denn Burnout ist keine eigene Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern ein Zustand des Ausgebranntseins, der ein ernstzunehmendes Risiko für die Entwicklung einer Depression, Erschöpfungsdepression, aber auch von Angststörungen darstellt.

Generation „Ohne Fleiß kein Preis“

Auch die Arbeitsmoral der Altersgruppe 50+ gilt als Risikofaktor für ein Burnout-Syndrom. Denn während der jüngeren Generation die sogenannte Work-Life-Balance immer wichtiger wird, getreu dem Motto „Work hard, play hard“, und die Zahl der Jobwechsel – zugunsten dem eigenen Fortkommen, aber auch der eigenen mentalen Gesundheit wegen – steigt, sind viele im Alter zwischen 50 und 65 noch der Meinung, alles werde schon irgendwie besser, wenn man nur endlich mehr Geld habe und besonders viel arbeite. Ein Dogma, das indirekt eine Folge der Nachkriegszeit ist. Der Arbeitsethos, aber auch die Treue zum Arbeitgeber, sind unter Best Agern entsprechend hoch. Sie nehmen Unzufriedenheit im Job eher in Kauf.

Tabuthema Depression

Spüren Betroffene nun Anzeichen eines Burnouts oder gar einer Depression, also zum Beispiel Schlafstörungen, Grübeleien oder große Anstrengung bei der Bewältigung kleiner Aufgaben, ist die Bereitschaft, sich in ärztliche Behandlung zu begeben in jener Altersgruppe noch immer niedrig – besonders unter Männern. Frauen gehen statistisch gesehen häufiger zum Arzt; psychische Erkrankungen werden bei ihnen öfter diagnostiziert als bei Männern. Das heißt jedoch nicht, dass sie tatsächlich häufiger erkranken. Gleichwohl: Die Doppelbelastung von Familie und Job schultern noch immer überwiegend Frauen und erhöhen dadurch ihr Burnout-Risiko.

Burnout oder Erschöpfungsdepression?

Darüber gesprochen wird jedoch nach wie vor wenig. Bis zum Tod von Robert Enke waren psychische Erkrankungen wie Depressionen stark tabuisiert. Bewegungen wie #endthestigma und Prominente, die über ihre Krankheit sprechen, sind seit Längerem bemüht, dieses Stigma öffentlichkeitswirksam abzubauen. Das Mantra „Wird schon von alleine wieder!“ hält sich in vielen Köpfen der Generation 50+ dennoch. Sie suchen laut dem Leitenden Oberarzt der Schlossparkklinik Dirmstein, Dr. med. Dirk Greverus, tendenziell eher andere Ventile, als sich aktiv um ihre mentale Gesundheit zu kümmern und sich in Therapie zu begeben.

Welche Anzeichen deuten auf einen Burnout hin?

Habe ich ein Burnout? Bei diesen Warnsignalen sollten Sie aufmerksam werden:

  • Sie fühlen sich ungewohnt häufig müde, ausgelaugt und antriebslos.
  • Sie schlafen schlecht, unruhig oder werden oft wach. Der Erholungseffekt bleibt immer öfter aus.
  • Sie haben das Gefühl, dass Ihnen alles „zu viel wird“.
  • Sie sind unzufrieden mit Ihrer Leistung und hinterfragen stetig, was Sie besser machen müssen.
  • Sie empfinden selbst einfache Alltagsaufgaben als anstrengend und nur schwer zu bewältigen.
  • Sie reagieren gereizt und angespannt auf kleine Missgeschicke und Störungen Ihrer Abläufe.
  • Sie haben das Gefühl, dass Sie alles alleine machen müssen, damit es (richtig) geschieht.
  • Sie grübeln oft, neigen zu negativen Kausalitäten und einer pessimistischeren Sichtweise als früher.

Ob Sie sich bereits in die Richtung einer Depression bewegen, können Sie in unserem kostenlosen Online-Selbsttest herausfinden.

Wie können Sie Ihr Risiko für ein Burnout reduzieren?

Haben Sie Symptome an sich festgestellt, gibt es einige Ratschläge, die Sie umsetzen können, um sich selbst zu entlasten. Unsere Tipps gegen ein drohendes Burnout:

  • Überprüfen Sie Ihre Lebenssituation auf sachliches Belastungspotenzial: Vielleicht sind sie gar nicht „ohne Grund“ müde und ausgelaugt, sondern tatsächlich überarbeitet? Hatten Sie viele mentale oder sehr emotionale Erlebnisse positiver und/oder negativer Art, die Sie eventuell nicht bewusst als Belastungen wahrgenommen haben?
  • Fühlen Sie sich durch die Vielfalt der Anforderungen belastet, versuchen Sie einige Aufgaben zu delegieren, ob beruflich oder privat.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Erholungsphasen (z.B. jeden zweiten Tag eine halbe Stunde), in denen Sie entspannen, sich sportlich betätigen oder spazieren gehen (Achtsamkeit üben).
  • Prüfen Sie komplexe Aufgaben auf die Teilbarkeit in kleinere Aufgabenpakete.
  • Setzen Sie neue Prioritäten – Nicht bei jedem Aspekt im Alltag sind 110% Leistung nötig.

Merken Sie hingegen, dass Sie aus der Situation und den damit verbundenen Denkmustern nicht alleine heraus kommen, wenden Sie sich an einen Arzt. Dieser wird mit Ihnen körperliche Auslöser abklären und prüfen, wie Sie eine Erschöpfungsdepression verhindern beziehungsweise behandeln lassen können. Die Schlossparkklinik Dirmstein steht Ihnen bei Ihrer Therapie gern zur Seite.

Dieser Artikel wurde überarbeitet und erschien erstmals am 13. August 2018.

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