#endthestigma – Wie Stars mit Depression Betroffenen helfen

14 Sep 2021
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Während Hollywood-Promis teils schon seit vielen Jahren Ihre psychischen Erkrankungen offen thematisieren, gelten hierzulande Themen wie Burnout oder Angsterkrankungen immer noch als Tabu. Outings deutscher Stars mit Depression wie jenes von Nora Tschirner rücken Erkrankungen der Psyche nun seit einigen Monaten verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Das kann Betroffenen Mut machen, über die Krankheit zu sprechen.

Welche Prominente über ihre Depression sprechen 

Gerade in der Unterhaltungsindustrie geht es darum, gute Laune und Frohsinn zu verbreiten. Dass gerade in dieser Erwartungshaltung ein großes Potenzial für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen liegt, erschließt sich bei näherem Hinsehen. Umso wichtiger ist es, wenn Menschen wie Torsten Sträter oder Kurt Krömer öffentlich über Depressionen sprechen und das Problem beispielsweise in Talkshows thematisieren. Nora Tschirner, die durch romantische Komödien bekannt wurde und im „Tatort“ Weimar ermittelt, gab in einem Interview mit der „Süddeutsche Zeitung Magazin“ offen zu: „Ich konnte mich nicht mehr freuen und mir nicht einmal mehr vorstellen, wie es wäre, mich über etwas zu freuen.“ Auch Musiker wie Wincent Weiss berichten in Interviews davon, das Gefühl von Leichtigkeit phasenweise vollständig verloren zu haben.

Wenn Stars über Depression sprechen, brechen sie damit nicht nur ein Tabu, sondern sind damit auch ein wichtiges Vorbild für ihre Fans in Sachen Selbstfürsorge. Ohne entsprechende Hilfestellung können Depressionen zudem schwerwiegende Folgen haben, Co-Erkrankungen und Suchtprobleme auslösen oder in extremen Fällen sogar zum Suizid führen. Darin unterscheiden sich internationale Stars und Sternchen nicht von unseren deutschen Stars, die immer häufiger über ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen sprechen und das Stigma der lange verkannten Krankheiten zu beenden helfen.

Wie Prominente mit Depression den Weg für Betroffene ebnen

Stars, die Depression ansprechen, wirken damit positiv auf Betroffene ein, die noch nicht bereit sind, sich für ihre Erkrankung Hilfe zu suchen. Sie schämen sich mitunter oder können die Symptome einer Depression nicht hinreichend zuordnen. Kennzeichnend für eine Depression sind Antriebslosigkeit, Gefühle von Unzulänglichkeit oder Hilflosigkeit, aber auch das Fehlen von Lebensfreude und der Fähigkeit, die Traurigkeit und Niedergeschlagenheit hinter sich zu lassen. Fehlende Zukunftsperspektiven verstärken sich in einer negativen Gedankenspirale, die sich immer weiter um die eigene Unfähigkeit zur Veränderung der Situation dreht.

Je mehr Menschen – ob berühmt für ihr Schauspiel, ihre Musik oder sportliche Leistungen – in Interviews offen über ihre Depression sprechen, umso mehr machen sie betroffenen Fans Mut und verdeutlichen, dass keine Personengruppe vor der Erkrankung gefeit ist. Depressionen können jeden Menschen betreffen, unabhängig von Alter, Status und Lebensstandard. Gleichzeitig können Persönlichkeiten wie Nora Tschirner in einer breiten Öffentlichkeit das Bewusstsein für erste Anzeichen schärfen. Mit dem Sprechen über die eigene Geschichte öffnen Prominente auf diese Art bildlich gesprochen eine geschlossene Tür, durch welche Betroffene leichteren Zugang zur Annahme von Hilfestellung finden.

Enge Zusammenarbeit zwischen Hilfestellen und Stars als Botschaftern

Rund 5,3 Millionen Menschen sind allein in Deutschland von Depressionen betroffen. Hilfestellen wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe arbeiten daher gerne mit Stars zusammen, die wissen, was das Leben mit Depression bedeutet. Denn diese Prominente können ihre Bekanntheit nutzen, um auf Hilfestellen aufmerksam zu machen, bei Kongressen auftreten und als Multiplikatoren für wichtige Informationen dienen. So zählen neben Torsten Sträter auch der Schauspieler Simon Licht zu den Botschaftern der Stiftung, während Harald Schmidt als regelmäßiger Moderator und Schirmherr beim Patientenkongress der Stiftung durch die Veranstaltung führt.

Der Verein Freunde fürs Leben e.V. erhält ebenfalls prominente Unterstützung für seine Arbeit. Das Team um Diana Doko möchte Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, die psychische Gesundheit zu fördern und Suizide durch persönliche Unterstützung aus dem Umfeld zu vermeiden. Das Angebot richtet sich dabei explizit auch an junge Menschen, was die Partnerschaften mit Youtube-Stars wie Heiko und Roman Lochmann („Die Lochis“), Model Stefanie Giesinger, Rapper Sero oder Sänger Prinz Pi verdeutlichen.

Depressionen in Social Media: #endthestigma als Schritt zur Selbstermächtigung 

Auch Nora Tschirner zählt zu den Botschafterinnen und Botschaftern des Vereins Freunde fürs Leben e.V. und nutzte unter dem Hashtag #endthestigma auch digitale Kanäle, um Inhalte zu dem Thema Depression noch weiter zu streuen. Die Kampagne #endthestigma ist dabei nicht neu, sondern wirbt seit dem Jahr 2017 in den sozialen Medien international für Aufmerksamkeit gegenüber Menschen mit Depression, die ihre psychischen Erkrankungen nicht länger stigmatisieren lassen wollen. Allein auf Instagram wurde der Hashtag 1,5 Mio. Mal verwendet. Betroffene werden dazu eingeladen, sich statt des typischen „Mir geht es gut“ offen und ehrlich zu dem Thema auszutauschen und so einen ersten Schritt auf dem Weg zur Heilung zu machen. Nicht betroffene User hingegen sind durch Aufklärung dazu angehalten, ihre Vorurteile zu überdenken und psychische Erkrankungen nicht länger als Schwäche zu verkennen.

Die inzwischen – auch dank der prominenten Unterstützung – große Aufmerksamkeit für diese digitale „Grassroots“-Bewegung in den klassischen und sozialen Medien erleichtert es so schlussendlich auch durch die wachsende öffentliche Solidarität den Erkrankten, sich selbst und Anderen gegenüber zu ihrer Depression zu bekennen. So bergen sowohl prominente Outings als auch #endthestigma ein wichtiges Potenzial: Aus dem anfänglichen Kein-Problembewusstsein reift allmählich ein Problembewusstsein heran. In Verbindung mit der Gewissheit „Ich bin nicht allein“ kann das Betroffenen den nächsten Schritt, nämlich sich Hilfe zu suchen, sehr erleichtern. So bietet besonders die digitale Welt neue Wege, Menschen mit Depressionen und psychischen Erkrankungen zu unterstützen sowie Lösungen zu finden, die dem Einzelnen ebenso wie der Gesellschaft als Ganzem im Umgang mit mentaler Gesundheit weiterhelfen.

Haben auch Sie den Eindruck, dass ein Mensch aus Ihrem Umfeld oder Sie selbst von einer Depression betroffen sein könnten? Dann nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Arzt auf, um zeitnah eine passende Hilfestellung durch professionelle Begleitung in Anspruch zu nehmen.

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