Psychosomatik: so mancher Schmerz beginnt im Kopf

Psychosomatische Schmerzen und Therapiemöglichkeiten

Körper und Psyche stehen in enger Verbindung miteinander. Sicherlich hatten auch Sie schon mal das Gefühl der Übelkeit, wenn besondere Ereignisse bevorstanden, oder Kopfschmerzen, wenn ein stressiger Tag Ihnen den letzten Nerv raubte. Dauerhafte Schmerzen sind eine Belastung für die Psyche und auch die Psyche kann vielfältige körperliche Beschwerden verursachen. Dies kann ein Anzeichen für eine somatisierte Depression oder eine sogenannte somatoforme Störung sein.

Was sind psychosomatische Schmerzen?

Von psychosomatischen Ursachen geht die Medizin aus, wenn ein Patient mit körperlichen Beschwerden in die Praxis kommt, für diese jedoch in vielfältigen Untersuchungen keine organischer Ursprung nachweisbar ist. In diesen Fällen muss der Arzt auch die Psyche des Patienten in die Diagnosestellung mit einbeziehen.

Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen und Magenschmerzen werden inzwischen vielfach auch von Laien mit potenziell psychischen Ursachen in Verbindung gebracht. Auch Kopfschmerzen und Nackenschmerzen oder Nackensteifheit gelten als typische Symptome bei starken psychischen Belastungen. Eine psychosomatische Erkrankung kann sich jedoch auch in ganz untypischen Beschwerdebildern zeigen, unter anderem in Muskel- und Gelenkschmerzen oder in Problemen mit den Atemwegen. Ebenso können Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafproblemen auftreten, die ihrerseits den Allgemeinzustand nachteilig beeinflussen.

Kommen zur körperlichen Beschwerdeproblematik noch Symptome wie beispielsweise Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Müdigkeit und / oder Appetitlosigkeit, kann es sich bei der Erkrankung um eine sogenannte somatisierte, d.h. mehr ins körperliche verlagerte, Depression handeln.

Die Sorge als Hypochonder oder Simulanten zu gelten

Viele Betroffene von psychosomatischen Erkrankungen sind von der Diagnose irritiert, da die gesellschaftliche Meinung in Bezug auf psychische Erkrankungen noch immer von vielen Vorurteilen geprägt ist. Körperlich unerklärliche Beschwerden oder Schmerzen werden häufig als reine Einbildung, oder gar als das Vortäuschen von Krankheitssymptomen, also Simulation betrachtet. Tatsächlich ist eine psychosomatische Erkrankung jedoch keine Einbildung, sondern ein ernstzunehmendes Krankheitsbild. Der Patient empfindet die körperlichen Beschwerden oder Schmerzen wirklich und leidet häufig unter starken Einschränkungen seiner Lebensqualität.

Für psychosomatische Erkrankungen gibt es nicht nur eine Ursache. Neben traumatischen Erfahrungen, insbesondere in Kindheit oder Jugend, kommen ungelöste Konflikte und längerfristige seelische Belastungen, wie z.B. Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf in Frage. Der Körper kann somit „eigenständig auf den Hilfebedarf aufmerksam machen“. Warum psychische Konflikte und Belastungen sich bei manchen Menschen in körperlichen Beschwerden manifestieren und bei anderen nicht, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beantworten. Bekannt ist z.B. dass neben erblichen Faktoren auch chronischer Stress eine Rolle zu spielen scheint.

Wegen der immer noch vorhandenen Stigmatisierung psychosomatischer Erkrankungen als bloße Einbildung oder gar Simulantion, birgt die Diagnosestellung einer psychosomatischen Erkrankung eine höchst diffizil Herausforderung im vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis. Spricht ein Arzt eine Diagnose mit psychischen Ursachen für körperliche Beschwerden an, reagieren viele Patienten ungläubig, ungehalten und fühlen sich in ihrem Krankheitsbild nicht ernst genommen. Dabei stellt ein Arzt eine solche Diagnose, WEIL er den Patienten ernst nimmt und ihm eine geeignete Behandlung sowie gute Hilfestellung für die Genesung geben möchte.

Bedenken Sie dabei, dass eine psychosomatische Erkrankung in der Regel erst dann diagnostiziert wird, wenn bereits alle körperlichen Aspekte als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden konnten. Hören Sie sich die Aussage Ihres Arztes daher in Ruhe an, fragen Sie bei Zweifeln nach und bleiben Sie offen für seinen Rat und seine Behandlungsvorschläge.

Depression und psychosomatische Beschwerden können ein verhängnisvoller Kreislauf werden

Ohne eine adäquate Behandlung können psychosomatische Erkrankungen oder eine somatisierte Depression in einen Teufelskreis führen. Die steten Beschwerden oder Schmerzen können zusätzliche depressive Episoden auslösen oder verstärken, während eine Depression als psychische Erkrankung in der Lage ist, die körperliche und seelische Widerstandskraft des Patienten stark herabzusetzen und das Schmerzempfinden zu erhöhen. Die enge Verknüpfung beider Aspekte hängt mit dem Umstand zusammen, dass die Schmerzempfindung und die Entstehung von Depressionen über teilweise vergleichbare Mechanismen im Gehirn verlaufen.

Doch wie viele andere psychische Erkrankungen lassen sich auch psychosomatische Beschwerden und somatisierte Depressionen gut behandeln und für die Verbesserung der Lebensqualität deutlich lindern. In der Regel wird ein guter Facharzt mit Ihnen zusammen einen Behandlungsplan erarbeiten, der eine geeignete Medikation (z.B. Antidepressiva) mit einer gezielten Psychotherapie (mit tiefenpsychologischen oder verhaltenstherapeutischen Ansätzen) verknüpft.

7 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Beitrag zu psychosomatischen Schmerzen. Der Facharzt für Innere Medizin vermutet, dass ihre häufigen Bauchschmerzen psychosomatischer Natur sind. Gut zu wissen, dass sich psychosomatische Erkrankungen nicht nur im Magen und Nacken- oder Kopfbereich äußern, sondern auf vielfältige Weisen in Erscheinung treten können.

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  2. Danke für den Artikel über Psychosomatik. Ich habe mich nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt, aber mein Freund hat letztens davon gesprochen. Deswegen ist es echt gut, dass ich diesen Beitrag gefunden habe. Sehr hilfreich!

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  3. Meine Mutter klagt über Schmerzen, die sie im Kopf hat. Vielen Dank für die Weitergabe dieses Artikels über Psychosomatik. Ich werde meiner Mutter helfen, einen Internisten zu finden, mit dem sie sich treffen kann, damit sie medizinische Hilfe bekommt.

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  4. Interessant, dass es eine ins Körperliche verlagerte Depression gibt. Ich denke, dass könnte bei mir der Fall sein. Ich habe seit längerem Beschwerden und vermute, dass es an meiner Partnerschaft liegt. Mein Mann riet mir, eine Schmerztherapie zu machen. Vielleicht werde ich das auch und meine Vermutung dort mal ansprechen.

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  5. Sehr interessanter Artikel! Ich stimme zu, dass dauerhafte Schmerzen eine Belastung für die Psyche sind und das diese auch vielfältige körperliche Beschwerden verursachen kann. Meine Mutter leidet unter psychosomatischen Schmerzen und es wurden schon viele Untersuchungen gemacht, jedoch kam es zu keinem organischen Ursprung. Damit haben wir eine Facharztpraxis für Psychiatrie besucht, damit auch ihre Psyche in die Diagnosestellung einbezogen wird. Am Anfang dachte ich auch, es sei eine reine Einbildung oder sogar eine Simulation, aber nach vielem lesen habe ich auch verstanden, dass es sich hier um ein wahres Krankheitsbild handelt. Sie hört sich die Aussagen des Arztes immer in Ruhe an und ist jetzt auch für alle Behandlungsvorschläge offen. Ich helfe ihr sehr dabei und denke das wird bald alles vorbei sein, damit sie wieder mehr Lebensqualität hat. Vielen Dank.

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  6. Hallo zusammen
    Die Kommentare im Internet lese ich sehr gerne
    .ich leide seit ein paar Monaten an diversen Rueckenschmerzen Kopfschmerzen und Taubheit in den Beinen. Meine Artztin nimmt mich mit meinen Schmerzen nicht wahr ..sie mein ich erfinde es .ich leide unter Magenschmerzen. Schwindel steifer Nacken , ich bin nur muede ..Meine Lebensqualität ist eingeschränkt..Wer kann mir helfen

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    • Sehr geehrte Frau Damerow,

      wenn seitens Ihres Arztes nichts gefunden wurde, könnten Sie sich bei einem anderen Arzt eine weitere Meinung einholen. Hierzu eignen sich Allgemeinmediziner oder Spezialisten im Bereich der Psychosomatik, bspw. auch eine Klinik. Ihrer Beschreibung nach könnte an eine psychosomatische Ursache gedacht werden.
      Wir wünschen Ihnen eine schnelle und gute Besserung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Das Team der Schlossparkklinik Dirmstein

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