Long Covid und Post Covid – Spätfolgen für die Psyche

28 Sep 2021
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Bringt Long Covid als Folgeerkrankung Depression mit sich? Wodurch entsteht bei Long Covid die extreme Müdigkeit? Was hat es überhaupt auf sich mit dieser undurchsichtigen Erkrankung, die einer Corona-Infektion häufig folgt? Und welche Unterschiede bestehen zwischen Long Covid und Post Covid? Diese Fragen, die immer häufiger im Raum stehen, haben wir für Sie recherchiert.

  • Die große Mehrheit hospitalisierter Covid-19-Patienten leidet noch Wochen und Monate unter Beschwerden.
  • Zu chronischer Müdigkeit und Schmerzen gesellen sich auch psychische Symptome, die in eine Depression münden können.
  • Betroffene werden oft nur auf psychologischer Ebene behandelt, obwohl körperliche Mechanismen dahinter stecken.

Post Covid und Long Covid: Müdigkeit und Depression nach Corona-Infektionen

Die Corona-Krise hat für uns alle schwerwiegende Veränderungen mit sich gebracht. Während viele die mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen als psychische Belastung empfinden, bestimmen für zahlreiche Infizierte auch nach ihrer Genesung von dem neuartigen Virusinfekt langfristig anhaltende Krankheitssymptome den Alltag.

Langzeit- und Spätfolgen werden bei über 80 % der stationär behandelten Corona-Patienten festgestellt, und auch rund ein Drittel der Erkrankten ohne Klinikbehandlung berichtet nach Wochen oder Monaten noch über wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden. In Fachkreisen und den Medien haben sich für diese ausbleibende Rekonvaleszenz die Bezeichnungen Long Covid oder Post Covid etabliert. Wenngleich es keine allseits anerkannte Definition für diese Begriffe gibt, folgen viele Expertinnen und Experten dem britischen National Institute for Health and Care Excellence bei der Verwendung der Termini: Long Covid für Beschwerden, die mindestens vier Wochen nach dem Infektionsgeschehen bestehen, und Post Covid für Beschwerden nach zwölf Wochen und darüber hinaus. Beide Namen bezeichnen also die anhaltende Einschränkung durch Symptome, die trotz umfassender Genesungszeit nicht wieder der vollen Gesundung weichen. Im Gegenteil: Viele Symptome halten sich über einen langen Zeitraum hinweg und scheinen chronische Züge anzunehmen, ohne dass herkömmliche Behandlungen weiterhelfen.

Extreme Müdigkeit zählt zu den häufigen Symptomen von Long Covid und Depression.

Typische Anzeichen für Long Covid sind chronische Müdigkeit (Fatigue), Schmerzen, psychische Belastungssymptome, Atemprobleme und/oder schnelle Erschöpfung sowie erschwerte Erholung nach teils schon leichter Belastung. Die Müdigkeit kann dabei nicht mit klassischer Müdigkeit nach einem anstrengenden Tag oder körperlicher Arbeit verglichen werden, sondern ähnelt der bleiernen Müdigkeit, die sich bei fiebrigen Infektionskrankheiten zeigt und den Betroffenen körperlich und mental belastet.

Depressionen und psychische Belastungssymptome durch eine Infektionskrankheit?

Während die meisten Infektionskrankheiten über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen andauern oder bei schwerwiegenden Formen in drei bis sechs Wochen ausheilen, zeigen sich während und nach der Covid-19-Infektion bei einigen Patienten neben körperlichen Einschränkungen auch psychische Symptome. Die ohnehin mit der Pandemie einhergehenden Belastungen für die Psyche (Einsamkeit und Isolation, Existenzängste, berufliche und private Sorgen, Konflikte im heimischen Umfeld u.a.) gesellen sich zu jener mentalen Beeinträchtigung hinzu, die zuvor aktive Menschen durch die Symptome ihrer Erkrankung empfinden.

Depression infolge Long Covid wird aus Unwissenheit oft nicht richtig behandelt.

Der Wunsch, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, die persönliche Energie dafür jedoch nicht mehr zu finden, kann bei vorliegender Disposition für psychische Erkrankungen in posttraumatischen Belastungsstörungen münden. Diese wiederum gehen oft Hand in Hand mit Ängsten, Depressionen und anderen Formen der Anpassungsstörung. Auch die oft verkannte Problematik, dass ein Long-Covid-Syndrom nicht allein psychischer Natur ist, macht den Betroffenen das Leben schwer, wenn sie auf unzureichendes Verständnis von Ärzten treffen. Diese sind mitunter mit der neuartigen Erkrankung nicht (ausreichend) vertraut und behandeln Long Covid mit Depressionen ausschließlich zunächst auf psychologischer Ebene.

Dabei legen Parallelen zu anderen Folgeerkrankungen nach Infektionskrankheiten die Hypothese nahe, dass auch bei Long Covid ein Zusammenhang zwischen neurologischen Veränderungen und der Erkrankung besteht. Diese können zwar eine psychische Erkrankung nach sich ziehen, lassen Depressionen und Angststörungen aber eher als Co-Erkrankungen denn als eigenständiges Krankheitsbild vermuten. Diese können zwar eine psychische Erkrankung nach sich ziehen, lassen Depressionen und Angststörungen aber eher als Co-Erkrankungen denn als eigenständiges Krankheitsbild vermuten. (Hier geht’s zum Online-Selbsttest Angststörung.)

Keine untypische Folgeerkrankung: Postvirale Fatigue und neurologische Zusammenhänge

Erste Studien zu Long Covid mit Depression, Müdigkeit und anderen Folgesymptomen der Covid-19-Infektion lassen darauf schließen, dass der Infekt eine Reihe von Prozessen im Körper in Gang setzt, durch die das Immunsystem nicht mehr zur Ruhe kommt und an deren Symptomatik neurologische Aspekte einen maßgeblichen Anteil haben. Solche Effekte kennt die Medizin bereits aus früherer Forschung: Im Zusammenhang mit der Spanischen Grippe zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg auch die Anzahl der Patienten mit der sogenannten Europäischen Schlafkrankheit. Seit den 1960er Jahren hat die WHO auch die Erkrankungen ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) als neurologische Multisystemerkrankung anerkannt.

In Deutschland arbeitet vor allem eine Fachabteilung der Charité unter der Leitung von Frau Carmen Scheibenbogen an Untersuchungen zu diesem Krankheitsbild. Empirische Hinweise und eine Studie der Charité lassen aktuell auf Parallelen zwischen Long Covid und der Multisystemerkrankung schließen, die bis heute nur eingeschränkt behandelbar ist, da deren Ursachen vor allem im zellulären Energiestoffwechsel und autonomen Nervensystem liegen. Hilfestellung bieten neben den Hausärztinnen und Hausärzten daher vor allem spezialisierte Mediziner aus Neurologie, Psychiatrie und Immunologie, welche fachbereichsübergreifend zum Wohl der Patienten arbeiten.

Die individuell passende Therapie beinhaltet optimalerweise neben der aktiven Behandlung der Krankheit auch das Erlernen des richtigen Umgangs mit dem persönlichen Energiehaushalt (Pacing). Als Anlaufpunkt für Betroffene bietet außerdem die Initiative Long Covid Deutschland erste Informationen auf ihrer Webseite.

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