Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein „stiller Burnout“ die tückische, schleichende Variante. Bis er sich im umgangssprachlichen Nervenzusammenbruch Bahn bricht. Wir sagen Ihnen, auf welche Warnsignale Sie achten sollten!

Nicht jeder Burnout zeigt sich durch übersteigerten Arbeitsdrang mit perfektionistischen Ansprüchen, der alsbald durch den hohen Einsatz in sozialen Rückzug, massive Verhaltensänderungen und offensichtliche Erschöpfung wie chronische Müdigkeit mündet. Beim stillen Burnout entwickeln sich die Symptome schleichend und werden entsprechend von Menschen mittleren Alters gerne zunächst als „alterstypisches Nachlassen“ der eigenen mentalen Leistungsfähigkeit belächelt.

Entsprechend verschleppen viele Betroffenen ihren Burnout: Sie machen kurze, aber wenig erholsame Verschnaufpausen und danach weiter in ihrem Tagesprogramm. So gleiten sie langsam aber sich in einen schweren Burnout, der dann nur scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen „Nervenzusammenbruch“ zu Tage tritt. Das sprichwörtliche Fass ist dann vielleicht durch etwas Stress in einer alltäglichen Situation auf einmal voll – die Gereiztheit weicht dem Weinkrampf.

Ungeduld und Gereiztheit: Der stille Burnout zeigt erst leichte Symptome

„Jetzt beeil dich endlich, Eric. Wir sind spät dran.“ Monika tippelte nervös von einem Bein auf das andere, während ihr Mann mal wieder die Ruhe wegzuhaben schien. „Einen Moment noch!“ tönte es gut gelaunt aus dem Schlafzimmer. „Nein, jetzt direkt.“ rief Monika zurück und ging schnell noch einmal ihre Liste mit den Erledigungen durch, bevor sie erneut auf die Uhr schaute.
Getrampel kündigte an, dass die Eric die Treppe herunter kam. „Das wird aber auch Zeit!“ „Mann, Moni, was ist denn mit dir los? Du bist doch sonst nicht so nörglerisch. Eben beim Mittagessen warst du auch schon so nervös. Alles okay?“ – „Ja, natürlich, ich will nur endlich los. Hast du alles? Handy, Jacke, Schlüssel?“ Schnell drehte sich Monika zu ihrem Mann um, bevor dieser eine Antwort geben konnte. In diesem Moment stieß sie mit ihrer eigenen Tasche die Vase auf der Kommode um. Die Vase kippte um, zerbrach auf dem Holz und das Wasser lief in einem Schwall am Möbelstück herunter.

Vom schleichenden Burnout zum Nervenzusammenbruch

Wie unter Schock blickte Monika auf das Geschehen. Tränen stiegen ihr in die Augen. Nach einem kurzen Moment der Starre stellte sie ihre Tasche ab, griff um die Ecke in der Küche nach einem Handtuch und begann mit der Schadensbeseitigung. „Mama, pass auf, die Scherben.“ rief Eric noch, der einen Handfeger aus der Kammer geholt hatte. Da war es schon passiert. Monika griff in eine Scherbe. Es blutete nur wenig, doch die Tränen flossen umso mehr. Eric nahm seine Frau verunsichert in den Arm und führte sie in das Esszimmer.
„Für heute ist Schluss mit Erledigungen. Jetzt schauen wir erst mal, was mit dir los ist und warum eine sonst so entspannte Frau wie du durch so ein blödes Missgeschick derart aus der Fassung geraten kann.“

Wenn der Alltag plötzlich zu viel wird: Warnsignale für stillen Burnout

Die Anforderungen des Alltags sind oft hektisch und vielfältig. Und während nach außen der Schein ein wunderbares Bild von einem erfüllten Leben repräsentiert, sieht es innerlich in manchen Menschen ganz anders aus. Ständig drehen sich die Gedanken um To-Do-Listen und Termine, um kommende Ereignisse und vergangene „Kleinigkeiten“. Selbst in der Nacht ist kaum mehr an Ruhe zu denken. Betroffene fahren nachts im Bett hoch, weil ihnen als wichtig empfundene Sachen einfallen. Das Gedankenkarussell spult alle „Wenns“ und „Abers“ ab und Eigenschaften wie Geduld, Mitgefühl und Weitblick gehen immer mehr verloren. Im Zuge von Burnout und einhergehenden Verhaltensänderungen kommt es häufig auch zu Partnerschaftsproblemen und Konflikten mit Freunden und/oder Arbeitskollegen.

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Stiller Burnout: Wenn die Luft raus ist, droht der Nervenzusammenbruch.

Die typischen Symptome des stillen Burnout:

Wenn Sie Ihre Erschöpfung verschleppen, zeigen sich Symptome des bevorstehenden Burnouts oft auch indirekt durch:

  • plötzliche oder verstärkte Ungeduld
  • gereizte Stimmung und Stimmungsumschwung bei Nichtigkeiten
  • das „Hintenanstellen“ der eigenen Bedürfnisse
  • nicht „Nein-Sagen“ können
  • stete Erreichbarkeit und höchste Flexibilität für andere
  • eine immer länger werdende „To-Do-Liste“
  • Gefühle von wachsender Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen
  • gehäuft bissige Kommentare und Witze als „Druck-Ventil
  • Vernachlässigung der sozialen Kontakte, sozialer Rückzug
  • Geräusch- und Lichtempfindlichkeit – selbst bei normalen Alltagseindrücken wie durch Uhren, Heizung oder Klimaanlage, intensiver Lichteinfall der Sonne

Nach dem Nervenzusammenbruch: Therapie

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre mentalen Akkus sich immer mehr entleeren, ohne wieder aufgefüllt werden zu können, sollten Sie sich schnellstmöglich um etwas Selbstfürsorge kümmern. Lernen Sie Entspannungstechniken für den Alltag und führen Sie Abendrituale ein, in denen Sie sich nur um sich selbst kümmern. Hier können Ihnen Techniken wie Achtsamkeitstraining, Meditation oder auch körperliche Betätigung im Sinne von Sport helfen.

Verdrängen Sie Warnsignale wie intensiv auftretende Ungeduld und Gereiztheit nicht und suchen Sie alternative Möglichkeiten, mit denen Sie den Druck des Alltags ablassen können. Nehmen Sie die Warnzeichen nicht ernst oder handeln Sie nicht entsprechend, entsteht immer mehr Druck, der sich irgendwann bei jedem Menschen in einem mentalen Zusammenbruch entlädt. Kurzfristig mögen sich Betroffene vielleicht „besser“ oder erleichtert fühlen, nachdem sich ihre Erschöpfung in einem emotionalen Ausbruch Luft gemacht hat. Bleibt der Burnout auch nach dem Nervenzusammenbruch unbehandelt, drohen starke körperliche Symptome, langfristige Arbeitsunfähigkeit und Depression. Eine Psychotherapie – ob in Form einer Verhaltenstherapie – und begleitende Verfahren können Sie aber auch aus den späten Phasen des Burnout herausholen. Über 90 Prozent der Betroffenen sind nach einer Behandlung wieder arbeitsfähig.

Dieser Beitrag erschien erstmals am 14. Januar 2019 und wurde überarbeitet.