Medikamente mit natürlichen Inhaltsstoffen: Pflanzen für die Psyche

06 Jan 2020
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Frank Oschatz
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Pflanzliche Hilfsmittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen sind für viele Betroffene die erste Wahl, um leichte Symptome zu lindern. Bei Schlaflosigkeit, innerer Unruhe und Gereiztheit sowie depressiver Verstimmung und Angst können die Medikamente mit den natürlichen Inhaltsstoffen oft gute Dienste leisten. Dennoch sollte die Einnahme von Kräutern und Kräuterprodukten mit dem Arzt abgesprochen werden, um Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und die Gefahr von Kontraindikationen zu reduzieren.

Safran – die antidepressiv wirksamen Blütenfäden
Eines der ältesten Gewürze der Welt wirkt tatsächlich nachweislich (zunehmend verlässliche wissenschaftliche Studienlage) antidepressiv (insbesondere serotonerg: Serotonin = wichtiger Nervenbotenstoff; verbessert Stimmung, vermindert Ängste und Grübelgedanken), antioxidativ (neutralisiert toxische Radikale, also Abfallstoffe des Zellstoffwechsels), antiinflammatorisch (entzündungshemmend), die HPA-Achse modulierend (senkt übermäßiges Stresshormon) und neuroprotektiv (Schutz der Nervenzellen vor Lipidperoxidation und oxidativen DNA-Schäden).
So ist die Einnahme wirksam z.B. bei leichten bis mittelschweren Depressionen. In Kanada empfiehlt die kanadische psychiatrische Gesellschaft neben Johanniskraut (s.u.) zur Behandlung bei Depression seit 2016.

Baldrian – die beruhigende Wurzel
Meist nur als Schlafmittel zum Einsatz gebracht, verhilft die Wurzel der Baldrian-Pflanze zu mehr innerer Ruhe und Konzentration, wodurch sich auch die Entspannung für den Schlaf leichter einstellt. Die Inhaltsstoffe wirken auf den Botenstoff GABA, die Gamma-Aminobuttersäure, deren Ausgleich jedoch eine Einnahmezeit von zwei bis vier Wochen benötigt, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Durch diesen Verzögerungseffekt sinkt die Gefahr der Gewöhnung und Abhängigkeit im Vergleich zu klassischen Schlaf– und Beruhigungsmitteln. Baldrian kann als Sud für das Vollbad genutzt oder als Tee getrunken werden.

Helmkraut – Angst- und Krampflöser
Das Helmkraut wurde in englischen Studien der University of Westminster als wirkungsvolles Mittel gegen Ängste identifiziert. Die Inhaltsstoffe bieten beruhigende und krampflösende Eigenschaften, welche die innere Anspannung bei Angstzuständen mildert. Gleichzeitig wurde beobachtet, dass sie im Gegensatz zu anderen angstlösenden Mitteln nicht zu Apathie und Interesselosigkeit führt. Das Kraut wird in der Regel als Tee verwendet.

Hopfen – fördert die Entspannung
Der Hopfen zählt zur Familie der Hanfgewächse. Seine Inhaltsstoffe sorgen für die Anregung des Stoffwechsels mit Bitterstoffen, wodurch das Wohlbefinden gesteigert wird. Auf angespannte Nerven wirkt die rankende Pflanze entspannungsfördernd und beruhigend, weshalb Hopfen bei Unruhezuständen, Ängsten, Nervosität und Schlafstörungen als Tee oder Badezusatz eingesetzt wird.

Johanniskraut – Botenstoffanregung zur Angsthemmung
Johanniskraut gilt als Kraut für die Psyche par excellence. Die Inhaltsstoffe wirken nachhaltig auf drei Arten von Botenstoffen, die im Gehirn die Gemütslage beeinflussen. Johanniskraut reguliert die Verfügbarkeit der Botenstoffe Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin und hilft obendrein, das Enzym Monoamin-Oxydase (MAO) zu hemmen: Die Impulsübertragung der Nervenrezeptoren wird verbessert. Das führt zu erholsamerem Schlaf, mehr Energie und Spannkraft bei gleichzeitig „besseren Nerven“ im Alltag und hilft somit bei Unruhe, Nervosität, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und sogar bei Spannungskopfschmerzen. In der Psychiatrie wird es als hochdosierte Tablette (Antidepressivum) verabreicht und hat eine Empfehlung bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Die Substanz ist wiederholt wissenschaftlich untersucht worden, die Wirkung bei leichter bis mittelschwerer Depression Bestätigt. Vorsicht ist allerdings bei hautempfindlichen Patienten empfohlen und bei Einnahme von anderen Arzneimitteln durch komplexe Wechselwirkungsgefahren.

Kava Kava – pfeffriger Angsthemmer
Kava Kava zählt zu den Pfefferpflanzen und zeigt auch sein Aroma mit einer feinen, würzigen bis pfeffrigen Note. Die Inhaltsstoffe treten ähnlich wie die bekannten Benzodiazepine als Angsthemmer auf, ohne jedoch deren Nebenwirkungen zu entfalten. So kann die Wurzel als Extrakt bei Angsterkrankungen und Phobien eingesetzt werden oder zerstoßen sowie mit Wasser verdünnt getrunken werden, um die positiven Eigenschaften zu nutzen. Kava Kava Extrakte sind allerdings rezeptpflichtig.

Lavendel – Entspannung mit mediterranem Flair
Lavendel ist ein äußerst wirksames Heilkraut zur Entspannungsförderung. Die Wirkung beruht bereits auf dem Duft, der sich durch die ätherischen Öle in den blütenreichen Pflanzen entfaltet. In Hautverreibungen, als Massageöl, in der Duftlampe oder als Tee getrunken sorgt der Lavendel für schnelle Entspannung, die jedoch nicht zu Schläfrigkeit führt. Die Wirkung des Öls wird auch durch die Studien einer Forschungsgruppe aus der Zusammenarbeit der Universitäten Wien, Innsbruck und München belegt, welche in den Hauptinhaltsstoffen Linalylacetat und Linalool die Ursache für die Wirkung sieht. Lavendel dient als hochdosiertes Öl auch als Anxiolytikum (Angstlöser).

Melisse – ausgleichende Frische
Zart und zitronig verströmt die Melisse ihr Aroma und gibt damit nicht nur Frische preis, sondern auch eine mental ausgleichende Wirkung. So hilft der Tee aus getrockneten Blättern mit seinen Inhaltsstoffen dabei, sanft zu mehr innerer Ruhe und Entspannung zu finden. Melisse gilt als schlaffördernd, lindernd bei leichten Stress-Symptomen sowie bei krampfartigen Schmerzen und Magen-Darm-Beschwerden, die häufig mit psychischen Belastungen und Erkrankungen einhergehen.

Passionsblume – beruhigende Blüten
Die Passionsblume wird bei Ängsten, innerer Unruhe, Erschöpfungssymptomen und Schlafproblemen eingesetzt. Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen zeigt sich sie zudem als pflanzliche Unterstützung bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) und Nervosität. Verfügbar als Tee und Kapseln sollen die Inhaltsstoffe die Botenstoffe im Nervensystem regulieren helfen und somit bei psychischen Erkrankungen Linderung verschaffen.

Rosmarin – würzige Anregung
Schon in der Antike sagte man dem Rosmarin nach, er würde die Gehirnfähigkeiten stärken. Die Inhaltsstoffe gelten bis heute als Schutz für die Nervenzellen, wirken gedächtnisfördernd, dabei durch eine sanfte Durchblutungsförderung auch leicht anregend. Hierdurch wird auch die Stressresistenz sanft unterstützt. Verwendet wird Rosmarin dabei nicht nur als Gewürz und Tee, sondern auch als Badezusatz.

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