„Glückshormone“ – Gibt es sowas überhaupt?

16 Nov 2020
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Inwiefern sogenannte Glückshormone an der Entstehung einer Depression oder eines Burnouts beteiligt sind

Wohlgefühl durch Gleichgewicht im Botenstoff-Haushalt

Wenn wir verliebt sind, beginnt es im Bauch zu Kribbeln, weil im wahrsten Sinne des Wortes „die Chemie“ zwischen zwei Personen stimmt. Haben Sie einen Erfolg errungen, auf den Sie lange hingearbeitet haben, stellt sich ein „Glücksgefühl“ ein, dass mitunter geradezu euphorisch stimmt. All diese Aspekte stehen in enger Verbindung mit den Geschehnissen in unserem Körper. Über verschiedene Botenstoffe wird unser emotionales Empfinden beeinflusst. Botenstoffe, die auf das Wohlbefinden und Glücksgefühle Einfluss nehmen, werden populärwissenschaftlich gerne als „Glückshormone“ bezeichnet. Doch ebenso wie sie glückliche Emotionen hervorrufen, können die sogenannten Glückshormone auch für die Entstehung einer Depression oder von Burnout (mit)verantwortlich sein.

Was sind überhaupt „Glückshormone“?

Im komplexen System unseres Körpers ist die Kommunikation unter den Zellen wichtig, um ein optimales Zusammenspiel in allen Bereichen zu erzielen. Hierfür nutzt der Körper zahlreiche Botenstoffe, die in funktionelle Gruppen eingeteilt, jeweils individuelle, teils einander beeinflussende oder auch überschneidende Aufgaben übernehmen. Die sogenannten „Glückshormone“ stammen vorrangig aus den Botenstoffgruppen der Hormone und der Neurotransmitter.

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die in endokrinen Drüsen vom Körper produziert werden. Die Bezeichnung leitet sich vom griechischen Begriff „hormán“ ab, der übersetzt so viel wie „antreiben“, „anregen“ oder „in Bewegung setzen“ bedeutet. Die Hormone werden nach der Produktion über den Blutkreislauf abgegeben, um spezielle Vorgänge im Körper auszulösen.

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die als Botenstoffe von Nervenzellen im Zellkörper oder an deren Synapsen hergestellt werden. Sie leiten, vereinfacht erklärt, die elektrischen Signale von Neuronen weiter.

Sind die Botenstoffe des Körpers im Gleichgewicht und die Funktionalität der Wirkungsweise gewährleistet, sorgt die Aktivierung der Botenstoffproduktion für eine stimulierende, eine schmerzlindernde oder eine entspannende Wirkung, die in Wohlbefinden und Glücksgefühle münden und die Psyche positiv beeinflussen.

Die „Glückshormone“ und ihre Einflüsse auf die Psyche und die Entstehung von Depressionen

In unserer kleinen Serie möchten wir Ihnen einige der wichtigen Botenstoffe vorstellen, welche bei Ungleichgewichten psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Depression oder Burnout, beeinflussen können.

Serotonin

Serotonin beeinflusst das Schmerzempfinden, den Schlafrhythmus und die Aktivität im Alltag. Zusammen mit Dopamin ist Serotonin für das entspannte Glücksempfinden sowie für Müdigkeit oder Antriebskraft verantwortlich. Im Frühjahr wird Serotonin in erhöhten Mengen produziert, was zur mundartlichen „Frühjahrsmüdigkeit“ führen kann.

Dopamin

Dopamin ist die Basis für das Glücksempfinden. Durch die Entstehung im Belohnungssystem des Gehirns fördert es Motivation und Antriebsstärke. Zudem lässt Dopamin eine positive Anspannung entstehen und unterstützt somit Höchstleistungen, die mit Freude erbracht werden. Im Erfolgsfall wird Dopamin in erhöhten Dosen ausgeschüttet – die Folgen können bis hin zu Freudentaumel und Rauschgefühle gehen.

Noradrenalin

Noradrenalin wird vom Körper in Stresssituationen ausgeschüttet, die positiver wie negativer Natur sein können. Der Mensch wird hierdurch äußerst aufmerksam, wach und konzentriert. Eine gute Motivation und hohe Leistungsfähigkeit sind die Folge der Noradrenalin-Ausschüttung.

Glutamat

Glutamat ist durch den Einsatz als Geschmacksverstärker in Verruf geraten. Tatsächlich jedoch stellt das Gehirn selbst Glutamat her, um als schnell anregenden Neurotransmitter zu nutzen. Das körpereigene Glutamat ist für die Übermittlung von Sinneswahrnehmungen, für das Lernen und für die Bewegungssteuerung essentiell. Problematisch ist ein (meist durch Nährstoffzufuhr entstehender) Glutamat-Überschuss, der durch den Neurotransmitter GABA reguliert wird.

GABA

GABA, Gamma-Aminobuttersäure, hemmt die erregende Wirkung von Glutamat und kann als Gegenspieler zu diesem Neurotransmitter gesehen werden. Es dockt an den gleichen Nervenzellen wie Glutamat an und verhindert somit die Erregung, wodurch ein beruhigender, ausgleichender Effekt entsteht. Zudem gilt GABA als angstlösend.

Endorphine

Durch Endorphine produziert der Körper schmerz- und stresslindernde sowie ausgleichende Botenstoffe. Notsituationen und Verletzungen kann der Mensch durch die Ausschüttung von Endorphinen besser ertragen. Endorphine regulieren das Hungergefühl, halten die Stimmung hoch und sind ebenso wie Phenethylamin für das Hochgefühl verantwortlich, dass Sportler bei Höchstleistungen empfinden.

Phenethylamin

Herzklopfen, das Kribbeln im Bauch bei Verliebtsein oder das berauschende Gefühl der Vorfreude zu besonderen Anlässen stammen von Phenethylamin. Biochemisch ist Phenethylamin eine Aminosäure und eine Vorgängerverbindung von Nervenbotenstoffen wie Dopamin und Adrenalin. Der Stoff gilt als Bewegungs-Glückshormon, da es bei Aktivität besonders in Erscheinung tritt, beispielsweise beim Sport oder im zwischenmenschlichen Austausch.

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