Übermut tut selten gut

"Übermut tut selten gut"
Selbstüberforderung und übersteigerte Leistungsansprüche

Burnout kann als Folge von Selbstüberforderung durch die Leidenschaft für den Beruf, den Sport und im Privatleben auftreten. Unser gesellschaftliches und berufliches Leben ist heute deutlich hektischer und anspruchsvoller als noch vor wenigen Jahrzehnten. Immer mehr Menschen sind es gewöhnt, auf sich selbst gestellt den höchsten Leistungsansprüchen zu genügen. Stetige Erreichbarkeit, ein höchstes Maß an Flexibilität und Zuverlässigkeit gelten als Garanten für den Erfolg - und bergen zugleich große Risiken für die Entwicklung von Burnout-Erkrankungen

Hoher Leistungsansprüche ohne Pausen
Die Auslöser von Burnout sind vielfältig. Allem voran steht jedoch zumeist eine Mischung aus persönlicher Unsicherheit, hohe Selbstansprüche und immenser Leistungsdruck im beruflichen wie im privaten Rahmen. Um immer und überall durch Höchstleistungen zu punkten, gehen viele Menschen regelmäßig bis weit über ihre persönlichen Grenzen hinaus. Laut einer Studie der pronova BKK aus dem Jahr 2016 zählen ständiger Termindruck, schlechtes Arbeitsklima, emotionaler Stress, Überstunden, die stete Rufbereitschaft sowie hoher Erfolgsdruck an der Spitze der Belastungen im Arbeitsalltag. Hinzu kommen monotone Aufgaben, zu wenige Pausen, schlechte Arbeitsplatzausstattung und körperliche Belastungen. Erst danach folgen bekannte Burnout-Auslöser wie Mobbing oder Schichtarbeit. 
Entsprechend gelten einige Berufsgruppen als geradezu prädestiniert für ein Burnout. Vor allem kommunikative Berufe vom Kassierer/in über die Rezeptions- und Sekretariatsmitarbeiter bis zum Manager gelten als gefährdet. Zudem zählen Berufstätige aus der Gastronomie, Menschen aus den Gesundheitsberufen, Sozialarbeiter und -pädagogen, Lehrer und Erzieher sowie Beamte und Verwaltungsangestellte zur Risikogruppe für Burnout-Erkrankungen. 

In vielen gefährdeten Berufen ist Teamarbeit und die gute Kommunikation zwar gefragt, diese werden in Bezug auf das Wohl der Mitarbeiter jedoch oft nur mangelhaft umgesetzt. Wer hier von dem Gedanken, alles alleine machen zu müssen/wollen, weg kommt und durch offene Kommunikation neue Wege einläutet, hat gute Chancen, nicht nur der Burnoutgefahr zu entgehen oder einem bereits eingetretenen Burnout entgegenzuwirken. Es kann eine neue Basis geschaffen werden, um die erforderlichen Leistungen künftig ohne neue Gesundheitsgefährdungen durch dauerhafte Überbelastungen zu erbringen.

Delegieren, organisieren und neu strukturieren - notfalls für Sie alleine!
Wenn Sie erste Anzeichen eines Burnouts bei sich erkennen, ist es höchste Zeit, etwas zu verändern. Ermitteln Sie die größten Stressfaktoren in Ihrem Leben und sprechen Sie mit Ihrer Familie, den Kollegen und den Vorgesetzten über potenzielle Veränderungsmöglichkeiten. Ist der Burnout bereits vollständig aktiv, sollten Sie zudem zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und durch therapeutische Begleitung die aktuelle Situation eruieren. 
Machen Sie sich bewusst, dass nicht nur Sie alleine alle Aufgaben und Erfordernisse erfüllen können oder müssen. Vielleicht mag der eine oder andere die anstehenden Aufgaben anders und nicht ganz so gut machen, doch manchmal reicht das Ergebnis dennoch völlig aus. Lassen Sie sich helfen. Lernen Sie, sich anders zu organisieren und bei Bedarf Aufgaben zu delegieren, um neue Strukturen für den Genesungsweg aus dem Burnout heraus zu finden. Machen Sie in Ihrer Freizeit das Handy aus und lassen Sie das Telefon zu Hause auch mal klingeln. Beziehen Sie Ihre Familie in private Aufgabenbereiche vom Haushalt bis hin zu Erledigungen ein. Lehnen Sie an Sie herangetragen Zusatzaufgaben im Verein und in der Nachbarschaft ohne schlechtes Gewissen auch einmal ab oder fragen Sie umgekehrt bei anderen Menschen aus Ihrem Umfeld und dem Freundeskreis nach geeigneter Unterstützung in Ihrer aktuellen Situation. 

Haben Sie das Gefühl, keine Unterstützung zu erhalten oder bekommen zu können, nehmen Sie sich erst Recht eine Auszeit, um die Situation zu überdenken und neue Lösungswege zu finden. Auch bei diesen Fällen ist ein Arzt oder Therapeut der richtige Ansprechpartner, um die Situation der Überbelastung aufzulösen und den Burnout bestmöglich zu stoppen. Auch Selbsthilfegruppen für Burnout-Betroffene können eine Möglichkeit sein, neue Kontakte zu knüpfen, mit denen man ein Netzwerk für die gegenseitige Unterstützung aufbauen kann. 

Sie müssen nicht alles alleine schaffen. Stattdessen können Sie lernen, um Hilfe und Unterstützung zu bitten und diese auch anzunehmen, um Überbelastungen für die Zukunft zu vermeiden.

 

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