Alkohol und Depression: Wenn nur der Rausch das Leben erträglich macht

22 Nov 2022
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Schlossparkklinik Dirmstein
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Es ist ein häufiges, aber brandgefährliches Duo: Alkohol und Depression. Denn ein Drink oder ein Feierabendbier helfen nur scheinbar, sich zu entspannen oder Frust und Ärger zu vergessen. Auf lange Sicht geraten zahlreiche Betroffene in eine Abwärtsspirale. Ab wann sollte man sich über das eigene Trinkverhalten Sorgen machen, und wie hängen Alkoholkonsum und Depression zusammen?

Grenzwertiger Alkoholkonsum: Ab wann wird aus dem Genuss eine Abhängigkeit?

Alkohol ist ein Zellgift und schadet daher grundsätzlich dem Körper. Geringe Mengen gelten für gesunde Erwachsene aber als unbedenklich. Die Grenzwerte für einen aus medizinischer Sicht risikoarmen Konsum werden folgendermaßen definiert:

  • Männer: maximal zwei Standardgläser (z.B. 0,3 Liter Bier oder ein Achtel Wein) pro Tag
  • Frauen: maximal ein Standardglas pro Tag

Wer mehr trinkt, hat dennoch nicht automatisch ein Alkoholproblem. Denn eine Abhängigkeit oder ein problematischer Alkoholkonsum definiert sich nicht über die Menge, sondern über die Rolle, die Alkohol im Leben der betreffenden Person einnimmt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist man alkoholabhängig, wenn mindestens drei dieser sechs Kriterien zutreffen:

  • eine Art innerer Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • Kontrollverlust im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum
  • eine körperliche Entzugs-Symptomatik
  • Toleranzentwicklung und Konsum immer größerer Mengen
  • Vernachlässigung anderer Interessen
  • anhaltender Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen

Kurz gesagt: Wenn man sich ohne Alkohol körperlich oder psychisch unwohl fühlt und wenn man nicht aufhören kann zu trinken, obwohl man sich oder anderen Schaden zufügt, ist eine kritische Schwelle überschritten.

Wie häufig gehen Alkohol und Depression Hand in Hand?

Eine Diagnose kommt selten allein: Dass Suchterkrankungen und Depression häufig im Doppelpack auftreten, ist seit Langem bekannt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Komorbidität. Über die genaue Häufigkeit kursieren unterschiedliche Zahlen: Nach Angaben der Barmer Krankenversicherung sollen 39 Prozent aller Personen mit Alkoholabhängigkeit zugleich unter Depressionen, 15 Prozent unter Angststörungen leiden. Laut österreichischem Anton-Proksch-Institut, das sich auf die Behandlung von Alkoholabhängigkeit spezialisiert hat, weisen sogar 70 Prozent aller Alkoholkranken zugleich eine Depression oder Angststörung auf.

Ein übermäßiger Konsum von Alkohol und Depressionen gehen oft miteinander einher.
Quelle: statista.de

Alkohol und Burnout oder: Work hard, play hard?

Eine Korrelation soll es auch zwischen langen Arbeitstagen und Alkoholkonsum geben: Laut einer Metastudie der Harvard School of Public Health tendieren Menschen, die pro Woche mehr als 49 Stunden arbeiten, signifikant häufiger zu einem problematischen Alkoholkonsum. Eine hohe Arbeitslast trägt wiederum zur Entstehung eines Burnout-Zustands entscheidend bei. Gerade dann locken das berühmte “Gläschen” Sekt oder ein Bier nach Feierabend, um abzuschalten und den stressigen Arbeitstag zu vergessen: Ab und zu mag das in Ordnung sein. Wird der Griff zur Flasche zur Gewohnheit, sollten allerdings die Alarmglocken schrillen. Nicht nur Alkohol und Depression gehen also häufiger miteinander einher, auch das “Arbeiten bis zum Umfallen” ist ein brenzliger Faktor.

Denn Menschen, die auf ein Burnout-Syndrom zusteuern, kommen oft trotz Erschöpfung innerlich kaum noch zur Ruhe. Der Alkohol dient ihnen als Entspannungs- und Beruhigungsmittel und bringt kurzfristig Erleichterung. Auf lange Sicht zieht er Betroffene aufgrund seiner körperlichen und psychischen Folgewirkungen jedoch nur noch tiefer in die Abwärtsspirale hinein.

Wie hängen Alkohol und Depression zusammen?

Fakt ist nämlich auch: Alkohol ist eine depressionsfördernde Substanz, vor allem in höheren Mengen. Seine betäubende, entspannende oder sogar euphorisierende Wirkung hält nur relativ kurz an. Lässt die berauschende Wirkung nach, dann schlägt der Effekt häufig ins Gegenteil um, man fühlt sich deprimiert – der berüchtigte Kater am Morgen danach lässt grüßen. Auch die wohlige Müdigkeit, die viele Menschen nach einem Glas Bier oder Wein empfinden, ist trügerisch. Man schläft vielleicht besser ein, doch der Schlaf bleibt wenig erholsam, da der Körper mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist. Mittel- und langfristig kann Alkohol eine Depression oder ein Burnout-Syndrom somit verstärken oder auch auslösen.

Alkohol ist eine depressionsfördernde Substanz und wird andererseits oft als Selbstmedikation eingesetzt.

Oft beginnt so ein verhängnisvoller Teufelskreis: Viele Betroffene setzen Alkohol als eine Art Selbstmedikation ein, um kurzfristig Erleichterung zu finden. Zugleich treibt der Alkohol die Depression oder die Erschöpfung aber immer weiter voran. Was zuerst da war – der Alkohol oder die Depression – lässt sich am Ende einer solchen Abwärtsspirale oft nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Wie findet man Auswege aus dem Teufelskreis Alkohol und Depression?

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist das Eingeständnis, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann! Entschließen sich Betroffene für eine Therapie, dann muss die Behandlung unbedingt beide Probleme – Alkohol und Depression – adressieren, und zwar in dieser Reihenfolge. Denn eine konventionelle Therapie der Depression ist nicht sinnvoll, wenn Betroffene ihren Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren können. Kliniken für Psychotherapie und Psychosomatik wie die Schlossparkklinik Dirmstein nehmen daher keine Patienten mit einer akuten Alkoholabhängigkeit auf und setzen während der Therapie den absoluten Verzicht auf Alkohol voraus. Besteht eine Alkoholabhängigkeit, ist daher im ersten Schritt ein Entzug in einer spezialisierten Einrichtung erforderlich.

An den Entzug sollte sich unbedingt eine ambulante oder stationäre Psychotherapie anschließen. Für den Therapieerfolg ist entscheidend, ob es gelingt, langfristig tragfähige Alternativen zum vermeintlich entspannenden Alkoholkonsum zu finden. Im Kern geht es darum, das Leben so zu gestalten, dass der Alltag auch ohne Rausch und Betäubung mit Freude und Genuss bewältigt werden kann.

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