Stiller Burnout 2019

Der stille Burnout
Warnsignale wahrnehmen statt Verdrängung 

Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist der sogenannte "stille Burnout" eine äußerst tückische Variante. Die Symptome entwickeln sich schleichend und werden entsprechend von Menschen mittleren Alters gerne zunächst als "alterstypisches Nachlassen" belächelt. Entsprechend machen Betroffene nach kurzen, wenig erholsamen Verschnaufpausen weiter im Tagesprogramm und gleiten langsam aber sich in einen schweren Burnout, der dann nur scheinbar plötzlich und unerwartet mit einem vollständigen Zusammenbruch zu Tage tritt.

Schleichend nimmt es mir die Kraft
"Jetzt beeil dich endlich, Eric. Wir sind spät dran." Monika tippelte nervös von einem Bein auf das andere, während ihr Mann mal wieder die Ruhe wegzuhaben schien. "Einen Moment noch!" tönte es gut gelaunt aus dem Schlafzimmer. "Nein, jetzt direkt." rief Monika zurück und ging schnell noch einmal ihre Liste mit den Erledigungen durch, bevor sie erneut auf die Uhr schaute.
Getrampel kündigte an, dass die Eric die Treppe herunter kam. "Das wird aber auch Zeit!" "Mann, Moni, was ist denn mit dir los? Du bist doch sonst nicht so nörglerisch. Eben beim Mittagessen warst du auch schon so nervös. Alles okay?" - "Ja, natürlich, ich will nur endlich los. Hast du alles? Handy, Jacke, Schlüssel?" Schnell drehte sich Monika zu ihrem Mann um, bevor dieser eine Antwort geben konnte. In diesem Moment stieß sie mit ihrer eigenen Tasche die Vase auf der Kommode um. Die Vase kippte um, zerbrach auf dem Holz und das Wasser lief in einem Schwall am Möbelstück herunter. 
Wie unter Schock blickte Monika auf das Geschehen. Tränen stiegen ihr in die Augen. Nach einem kurzen Moment der Starre stellte sie ihre Tasche ab, griff um die Ecke in der Küche nach einem Handtuch und begann mit der Schadensbeseitigung. "Mama, pass auf, die Scherben." rief Eric noch, der einen Handfeger aus der Kammer geholt hatte. Da war es schon passiert. Monika griff in eine Scherbe. Es blutete nur wenig, doch die Tränen flossen umso mehr. Eric nahm seine Frau verunsichert in den Arm und führte sie in das Esszimmer. 
"Für heute ist Schluss mit Erledigungen. Jetzt schauen wir erst mal, was mit dir los ist und warum eine sonst so entspannte Frau wie du durch so ein blödes Missgeschick derart aus der Fassung geraten kann."
Wenn der Alltag plötzlich zu viel wird: Warnsignale für stillen Burnout

Die Anforderungen des Alltags sind oft hektisch und vielfältig. Und während nach außen der Schein ein wunderbares Bild von einem erfüllten Leben repräsentiert, sieht es innerlich in manchen Menschen ganz anders aus. Ständig drehen sich die Gedanken um To-Do-Listen und Termine, um kommende Ereignisse und vergangene "Kleinigkeiten". Selbst in der Nacht ist kaum mehr an Ruhe zu denken. Betroffene fahren nachts im Bett hoch, weil ihnen empfunden wichtige Sachen einfallen, das Gedankenkarussell spult alle "Wenns" und "Abers" ab und Eigenschaften wie Geduld, Mitgefühl und Weitblick gehen immer mehr verloren. 

Die typischen Anzeichen für stillen Burnout? zeigen sich beispielsweise in:

  • plötzliche oder verstärkte Ungeduld 
  • gereizte Stimmung und Stimmungsumschwung bei Nichtigkeiten
  • das "Hintenanstellen" der eigenen Bedürfnisse
  • nicht "Nein-Sagen" können
  • stete Erreichbarkeit und höchste Flexibilität für andere
  • eine immer länger werdende "To-Do-Liste"
  • Gefühle von wachsender Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen
  • gehäuft bissige Kommentare und Witze als "Druck-Ventil"
  • Vernachlässigung der sozialen Kontakte, sozialer Rückzug
  • Geräusch- und Lichtempfindlichkeit - selbst bei normalen Alltagsumständen wie Uhren, Heizung oder Klimaanlage, intensiver Lichteinfall der Sonne


Warnsignale wahrnehmen statt Verdrängung
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre mentalen Akkus sich immer mehr entleeren, ohne wieder aufgefüllt werden zu können, sollten Sie sich schnellstmöglich um etwas Selbstfürsorge kümmern. Lernen Sie Entspannungstechniken für den Alltag und führen Sie Abendrituale ein, in denen Sie sich nur um sich selbst kümmern. 
Verdrängen Sie intensiv auftretende Ungeduld und Gereiztheit nicht und suchen Sie alternative Möglichkeiten, mit denen Sie den Druck des Alltags ablassen können. Nehmen Sie die Warnzeichen nicht ernst oder handeln Sie nicht entsprechend, entsteht immer mehr Druck, der sich irgendwann bei jedem Menschen in einem mentalen Zusammenbruch entlädt. 

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