Professor Dr. Thorsten Mikoteit ist seit Februar Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein. Im Interview erzählt der erfahrene Psychiater und Psychotherapeut, was ihn nach Jahren in der Schweiz in die Pfalz geführt hat, was eine moderne Behandlung ausmacht und warum gerade in schweren Zeiten Nähe und Menschlichkeit zählen. Oder, wie er es sagt: „Auch auf Depressionsstationen darf gelacht werden.“

Wie verlief Ihr Weg in die Medizin?

Ich stamme ursprünglich aus Ostwestfalen, aus dem Raum Bielefeld, und habe in Münster Medizin studiert. Schon während des Studiums war die Psychiatrie für mich das faszinierendste Fach, denn sie ermöglicht eine sehr ganzheitliche Begegnung mit dem Menschen. Jeder Mensch ist individuell, hat eine einzigartige Lebensgeschichte. Und diese Individualität zu verstehen und zu begleiten, empfinde ich bis heute als große Bereicherung. Gerade in Krisen und bei psychischer Erkrankung ist es wichtig, ein Gegenüber zu haben. Umso wichtiger ist es, psychische Gesundheit zu erhalten und Menschen im Krankheitsfall gut beizustehen.

Von Ostwestfalen über die Schweiz nach Dirmstein

Sie haben viele Jahre in der Schweiz gearbeitet. Was hat Sie dorthin geführt?

Nach meiner Ausbildung bin ich 1998 in die Schweiz gegangen. Dort fand ich sehr gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich begann in einer kleinen Privatklinik und erlernte dort das psychiatrische und psychotherapeutische Handwerkszeug. Später war ich an der Universitätsklinik Basel tätig, wurde Oberarzt, konnte wissenschaftlich arbeiten und schließlich habilitieren.

Wo liegen Ihre fachlichen Schwerpunkte?

Mein Schwerpunkt liegt auf stressassoziierten Störungen, Depressionen und Angststörungen – und auch auf deren Zusammenhang mit Schlaf. Schlafstörungen sind ein sehr häufiger Begleiter psychischer Erkrankungen und bieten oft einen wichtigen therapeutischen Ansatzpunkt. Viele Erkrankungen entwickeln sich im Kontext von chronischem Stress. Schlafprobleme sind dabei oft ein erstes Warnsignal.

„Schlafstörungen sind oft das erste Warnsignal und ein wichtiger therapeutischer Ansatzpunkt.“

Prof. Dr. Thorsten Mikoteit

Was hat Sie überzeugt, die Position als Chefarzt in Dirmstein zu übernehmen?

Mein Ziel war es immer, hochqualitative Medizin in einem wertschätzenden, ästhetisch ansprechenden Umfeld zu praktizieren. Ich habe erlebt, wie sehr eine schöne Umgebung depressive Patienten unterstützt. Sie vermittelt Wertschätzung – etwas, das Menschen in der Depression oft verloren haben.

Neben dem Ambiente sind es vor allem die Menschen. Eine gute personelle Ausstattung ermöglicht intensive therapeutische Beziehungen. Patienten erleben hier ein starkes Team, das ihnen Halt gibt und ihnen hilft, wieder ins Leben zurückzufinden. Man spürt, dass alle – von der Pflege über die Therapie bis zur Verwaltung – motiviert sind, gemeinsam etwas Gutes zu schaffen.

Wie waren Ihre ersten Eindrücke von der Pfalz?

Der Empfang hier war ausgesprochen herzlich. Die Pfalz war mir zuvor kaum bekannt, hat mich aber sofort begeistert: die Landschaft, das Licht, die Weinberge – fast mediterran. 

Chefarzt in Dirmstein: Medizin, Teamgeist und neue Impulse

Wie würden Sie Ihren Führungsstil als Chefarzt beschreiben?

Empowerment ist mir sehr wichtig. Jeder soll seinen Platz im Team finden – mit seinem Profil, seinen Begabungen und seiner Persönlichkeit. Positive Verstärkung spielt eine große Rolle. Gute Arbeit sollte gesehen und anerkannt werden. Das stärkt nicht nur den Einzelnen, sondern auch den Teamgeist. Auch auf Depressionsstationen darf gelacht werden. Humor, Wertschätzung und ein positiver Umgang miteinander gehören für mich zu guter psychiatrischer Arbeit.

Was ist Ihnen im therapeutischen Prozess wichtig?

Menschen kommen zu uns, um sich wieder besser dem Leben stellen zu können. Genau dabei möchten wir sie begleiten. Jeder Mensch ist einzigartig und verdient eine individuelle Behandlung. Gemeinsam entwickeln wir persönliche Therapieziele und arbeiten daran, dass unsere Patientinnen und Patienten ihren eigenen Weg wiederfinden.

„Auch auf Depressionsstationen darf gelacht werden.“

Prof. Dr. Thorsten Mikoteit

Welche Impulse möchten Sie als neuer Chefarzt an der Schlossparkklinik setzen?

Die Ausgangslage ist sehr gut. Die Schlossparkklinik ist jetzt schon eine moderne Akutklinik mit leitliniengerechter Behandlung und bietet ein diskretes Umfeld. Mein Ziel ist es, neue evidenzbasierte Therapien anzubieten und die Vernetzung mit Universitätskliniken sowie renommierten Einrichtungen in der Region zu stärken. Die Schlossparkklinik soll ein Ort sein, an dem Medizin auf hohem Niveau mit menschlicher Nähe zusammenkommt.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Mit welchen drei Eigenschaften würden Freunde Sie beschreiben?

Freunde würden mich wohl als besonnen, als Genießer und als humorvoll beschreiben. Humor ist für mich essenziell, um das Leben zu meistern.


Prof. Dr. Thorsten Mikoteit, Chefarzt | Schlossparkklinik Dirmstein

Zur Person

Prof. Dr. Thorsten Mikoteit, 56, stammt aus Ostwestfalen und studierte Medizin in Münster. Ab 1998 war er in der Schweiz tätig, unter anderem an der Universitätsklinik Basel, wo er als Oberarzt arbeitete und habilitierte. Zuletzt war er stellvertretender Chefarzt in Solothurn. Seit Februar 2026 ist Mikoteit Chefarzt der Schlossparkklinik Dirmstein. 

Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung von Depressionen, Burn-out und Angststörungen sowie in der Psychosomatik und dem Zusammenhang von Stress und Schlaf. 

Der Vater von zwei Kindern wandert gern, kocht und interessiert sich für regionale Kultur. Zudem schätzt er klassische Musik und Literatur.