Burnout – wenn jede Schulstunde zur Qual wird

18 Aug 2017
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Frank Oschatz
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Im Gespräch mit Dr. med. Thorsten Bracher

Lange als „Managerkrankheit“ im Gespräch macht sich heute der Burnout in vielen Berufsgruppen bemerkbar – auch bei Lehrern. Welche Stress- und Belastungsfaktoren aus medizinisch-psychologischer Sicht dahinterstehen, wie sich die Totalerschöpfung zeigt und was helfen kann, erklärt der Psychotherapeut Dr. Thorsten Bracher.

Die meisten Lehrer lieben Ihren Beruf. Dennoch leiden immer mehr Lehrkräfte an Stress, Überforderung und Burnout – wie zeigt sich das? Oftmals zeigt sich der chronische Erschöpfungszustand erst, wenn die üblichen Erholungszeiten nicht mehr ausreichen: Schlaflosigkeit, Ausgebranntsein, innerliche Leere und Antriebslosigkeit sind typisch. Abschalten gelingt nicht mehr. Angstzustände oder Hyperaktivität kommen häufig hinzu. Betroffene ziehen sich sozial immer mehr zurück. Das kann zu mangelender Empathie und Resignation bis hin zu einer Depression führen.

Welche Ursachen sind aus Ihrer Sicht ausschlagegebend?

Zum einen ist da ein meist sehr hohes Engagement, das oftmals über die eigenen Leistungsgrenzen hinausgeht und so in die Krise führen kann. Zum anderen sorgen eine stetige Erhöhung der Unterrichtsstunden, hohe Klassenstärken und wachsende Anforderungen für zusätzliche Belastung. Dies können fehlende Disziplin oder Motivation bei Schülern häufig aus problematischen Elternhäusern, schwierige Aufgaben der Inklusion, Konflikte mit Eltern, Kollegen oder Schulleitung und fehlende Unterstützung sein.

Was genau ist ein Burnout?

Es ist ein tiefgreifender, alles überschreitender Erschöpfungszustand. Voraus geht meist eine längerandauernde Situation der Überlastung und Überforderung. Dabei ist nicht allein ein überhöhtes Arbeitspensum das Problem. Vielmehr ist es ein Gefühl der Machtlosigkeit, des Kontrollverlustes, der Sinnlosigkeit und des Fehlens von Unterstützung. Dabei spielen viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle: neben den persönlichen Anlagen zum Beispiel die Lebensgeschichte und die aktuelle Situation mit Belastungen im familiären Umfeld.

Was können Betroffene tun?

Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe zu suchen. Dabei sind eine Beratung und Therapie nicht ein Zeichen von Scheitern, sondern von verantwortungsvollem Umgangs mit sich selbst. In der Schlossparkklinik Dirmstein entwickeln wir aus unserem vielfältigen therapeutischen Angebot ein auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen des Einzelnen zugeschnittenes Behandlungskonzept. Mit Abstand vom Alltag und von den belastenden Situationen. Ziel ist, problematische Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern – und einen persönlichen Weg zu finden, mit Druck und Stress so umzugehen, dass es nicht die Gesundheit gefährdet.

Was können Lehrende tun, um sich wirksam vor dem Ausgebranntsein zu schützen?

Zunächst gilt es, sich die eigenen Belastungsgrenzen bewußt zu machen. Also, darauf zu achten, diese Grenzen einzuhalten und nicht ständig darüber hinaus zu gehen. Immer erst die Arbeit, nie das Vergnügen – damit sollte Schluss sein. Denn ein Ausgleich zu den beruflichen Belastungen ist wichtig: soziale Kontakte und Interessen, die nichts mit Schule oder Lehrplänen zu tun haben. Bewegung und Sport bauen auch Stress ab. Und natürlich: Ehrlich zu sich selbst sein und die eigenen Ansprüche überprüfen – und eventuell der der persönlichen Belastbarkeit anpassen.

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