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Wenn Angst das ganze Leben lähmt
Anststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen

Angst ist eine Schutzreaktion, die jeder Mensch in sich trägt, um in Gefahrensituationen schnell und effizient zu reagieren. Doch wenn die Angst das ganze Leben bestimmt, ist ein normaler Alltag und die Freude am Leben kaum mehr möglich.

Was passiert bei einer Angststörung?
Angst ist ein natürliches Gefühl. Sie setzt den Körper in Alarmbereitschaft und sorgt für erhöhte Wachsamkeit und eine Mobilisierung der Kräfte. Es ist eine Schutzmaßnahme, die in den Instinkten des Menschen fest verankert ist. Körperliche Reaktionen der Angst finden sich in einem erhöhten Herzschlag und der Ausschüttung von Stresshormonen. Bei einem gesunden Menschen klingt die körperliche Angstreaktion nach überstandener Gefahr wieder ab. 
Bei einer Angststörung beherrscht die Angst jedoch den Alltag und manifestiert sich nicht selten in einer Furcht vor Umgebungseinflüssen, die aus sachlicher Sicht betrachtet keine Angst auslösen müssten. Es kann sich um Situationen handeln, um Gegenstände und Personen(-Gruppen) oder Ereignisse, welche das Angstgefühl zum Ausbruch bringen. Entsprechend unverständlich sind die damit verbundenen Verhaltensweisen des Erkrankten für das Umfeld. Die Angstsituation lähmt den Betroffenen mitunter sogar wörtlich genommen. Es entwickelt sich eine starke innere Unruhe, die den Erkrankten dazu drängt, aus der Situation schnellstmöglich zu flüchten. Selbst die Anforderungen des täglichen Lebens werden dabei mitunter nicht mehr oder nur noch durch die Unterstützung vertrauter Personen bewältigt. Schwerwiegende Fälle können dazu führen, dass sich der Erkrankte isoliert und den geschützten Raum seiner Wohnräumlichkeiten nicht mehr verlässt.
Eine Angsterkrankung kann sowohl kurze oder längere Zeit nach einem traumatischen Erlebnis ausbrechen, sich aber auch schleichend entwickeln. Bekannte und verbreitete Ängste sind unter anderem die Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), die Hypochondrie (Angst vor Krankheiten), die Bathophobie (Angst vor Höhen), die Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Räumen) und die Sozialphobie (Furcht vor sozialer Interaktion mit negativer Beurteilung durch andere). Hinzu kommt eine Vielzahl an spezifischen Ängsten, die sich auf konkrete Situationen und Gegenstände beziehen. Hierzu zählen unter anderem die Flugangst oder die Angst vor Tieren (z.B. Spinnen, Insekten, Vögeln oder Hunden). 

Panikstörung, Agoraphobie und posttraumatische Belastungsstörung
Sonderformen der Angststörung finden sich in der Panikstörung, der Agoraphobie und in der posttraumatischen Belastungsstörung. 

Die Panikstörung zeigt sich durch kurzfristig eintretende Panikattacken, die wie ein Überfall in die Gedankenwelt des Erkrankten einbrechen. Typische Symptome einer Panikattacke sind Herzrasen, Schweißausbrüche und Atemnot bis hin zu Lähmungen der Gliedmaßen des Bewegungsapparates (Schockstarre). Die Panikattacke kann sich bis hin zu einer Todesangst steigern. Die Panikattacke klingt jedoch meist binnen einer Stunde wieder ab und lässt den Betroffenen kraftlos und erschöpft zurück. Um einer erneuten Panikattacke zu entgehen, ziehen sich viele unbehandelte Betroffene aus potenziellen Angstsituationen zurück und isolieren sich auf diesem Weg immer mehr. Das Denken und Fühlen wird immer stärker von der Angst geprägt, wodurch eine Chronifizierung der Angsterkrankung wahrscheinlich wird. Nicht selten entwickeln sich im Zuge dessen weitere Ängste, die ebenfalls das Potenzial für das Auftreten einer Panikattacke aufweisen, oder schwerwiegende Depressionen.

Agoraphobie ist die Angst vor öffentlichen Räumen, Menschenansammlungen oder ganz allgemein Situationen, wo Flucht, Hilfe oder Rettung für die Betroffenen unerreichbar scheint. Die innere Unruhe kann sich bis ins Unerträgliche steigern. Der Drang, sofort den Ort verlassen zu müssen, ist groß. Menschen mit Agoraphobie vermeiden daher öffentliche Verkehrsmittel, Autofahrten auf Autobahnen oder abgelegenen Landstraßen, aber auch das Einkaufen in der überfüllten Innenstadt. Manche Betroffene sind nur in Begleitung einer vertrauten Person in der Lage, die alltäglichen Anforderungen zu meistern. In schwerwiegenden Fällen kommt es zur völligen Isolation, wenn das Haus oder die Wohnung als schützende Räume nicht mehr verlassen werden können. Im Verlauf einer Agoraphobie treten auch oft Panikattacken auf, so dass man dann von einer Agoraphobie mit Panikstörung spricht. Eine gesonderte Form der Platzangst ist die Klaustrophobie. Hier bezieht die Furcht sich auf enge, kleine Räume wie Aufzüge, Umkleidekabinen, Flugzeuge oder überfüllte Züge.

Die posttraumatische Belastungsstörung (kurz PTBS) wird von manchen Experten zu den Angsterkrankung gezählt. Die PTBS ist eng mit traumatischen Erlebnissen und Lebenssituationen verbunden. Schon namentlich verdeutlicht sie die Angst vor dem erneuten Erleben einer Situation, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellte oder als solche empfunden wurde. Hierzu zählen Kriegserlebnisse, Naturkatastrophen, Vergewaltigung und Missbrauch, Verbrechen, schwerwiegende Erkrankungen und Unfälle. Der Betroffene einer PTBS kämpft dabei mit dem Wiedererleben der traumatisierenden Situation in Träumen und Erinnerungen, hoher innerer Anspannung, Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit sowie häufig extremen Schlafstörungen, welche den natürlichen Erholungszyklus im Tagesablauf stören. Typisch ist zudem ein starker Drang zu Vermeidungsverhalten gegenüber ähnlichen Situationen, aber auch gegenüber Triggern / Schlüsselreizen, welche die Erinnerung wieder hervorrufen.

Sind Angststörungen heilbar?
Im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen besteht bei Angststörungen eine sehr gute Behandlungsaussicht, sofern die Erkrankung früh erkannt wurde. Die Behandlungsdauer und die notwendige Intensität der Behandlung mittels Medikamenten und Psychotherapie verlängert und verstärkt sich im Rahmen der unbehandelten Erkrankung. Der Umstand, dass Menschen mit Angststörungen oft erst nach einem langen Leidensweg professionelle Unterstützung annehmen, erschwert die Problematik. Doch selbst in gravierenden Fällen kann eine gezielte Therapie in vertrauensvoller Umgebung die Behandlung einer Angststörung zum Erfolg führen.

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